| 00.00 Uhr

Proschat Madani
Fremdsein betrifft nicht nur Ausländer

Ratingen. Zum Frauenkulturherbst-Auftakt stellt Proschat Madani ihr Buch über Heimatsuche vor, die in einer Selbstfindung endet. Von Valeska von Dolega

ratingen An sich sei Anpassung etwas Herrliches, "das ist intelligent und überlebensnotwendig", sagt Proschat Madani. Die Schauspielerin ("Vorstadtweiber") muss es wissen. Im Iran geboren, wuchs sie (nach einem Zwischenstopp in den USA) in Österreich auf und lebt seit 12 Jahren in Berlin. Über ihre Heimatsuche, die in einer Selbstfindung endet, hat sie ein Buch geschrieben. Aus "Suche Heimat, biete Verwirrung" liest sie Dienstag, 1. September, ab 19 Uhr im Medienzentrum am Peter-Brüning-Platz.

Was sind Sie mehr: Schauspielerin oder Autorin?

Madani Ganz eindeutig Schauspielerin. Das mache ich ja nun seit vielen Jahren. Dagegen steht nur das eine Buch. Trotzdem ist es schön, "Autorin" genannt zu werden. Es gefällt mir, zu schreiben.

Warum haben Sie "Suche Heimat, biete Verwirrung" geschrieben?

Madani Ich lese selbst sehr gerne. Zurzeit "Der Mann, der Hunde liebte" von Leonardo Padura. Eine wirklich geschickt gemachte Geschichte. Ich war einfach neugierig, ob ich das selber auch kann, eine Geschichte zu erzählen, die andere lesen wollen.

Und dafür wählten Sie ein Thema, das Ihnen auf den Nägeln brennt?

Madani Dazu wählte ich ein Thema, zu dem ich wirklich etwas zu sagen habe und das universell ist. Fremdsein betrifft ja nicht nur Ausländer. Die Frage ist, ob man sein Leben lebt, ein Leben, das zu einem passt. Oder sich auf der Suche nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe über die Maße anpasst und sich selbst fremd wird.

Floss Ihnen der Text aus der Feder?

Madani Es fing superleicht an. Ich war verblüfft. Dann kamen irgendwann doch die obligatorischen Schreibblockaden. Ich bin ja keine routinierte Schreiberin, hatte also keine Erfahrung, wie ich damit umgehen sollte. Gott sei Dank hatte ich den Vertrag und wusste: Du musst zu einem bestimmten Termin abgeben. Jetzt bin ich froh, durchgehalten zu haben. Man erfährt beim Schreiben so unglaublich viel über sich selbst. Ich wusste vorher zum Beispiel nicht, dass ich so ein Durchhaltevermögen habe.

Wie autobiografisch ist das Ergebnis?

Madani Das ist keine Biografie. Es wäre vollkommen absurd, mein eigenes Leben aufzuschreiben. Wen sollte das interessieren? Das Thema "Fremdsein" war es wert, erzählt zu werden. Die Heldin meiner Geschichte hat zwar Anteile von mir, aber sie ist auch frei erfunden. Sie erlebt fiktive Situationen. Aber die sind Trägerflächen für meine persönlichen Gedanken und Gefühle. Daher ist es ein sehr authentisches Buch.

Wie gestalten Sie ihre Lesung?

Madani Was sich bewährt hat, ist, das erste Kapitel als Ouvertüre zu lesen. Der Grundstein für die ganze Geschichte, die eher heiter und humorvoll und nicht bedeutungsschwanger erzählt ist, wird hier gelegt. Anschließend folgen ein paar kleine Stückchen aus anderen Kapiteln. Das hängt auch davon ab, was die Zuhörer wollen.

Wird ausschließlich gelesen?

Madani Ich lade die Menschen anschließend immer zu einem Gespräch ein. Mich interessieren ihre Erfahrungen. Lesungen sind immer sehr berührend für mich, weil sich die Zuhörer oft auch auf sehr persönliche Art einbringen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Proschat Madani: Fremdsein betrifft nicht nur Ausländer


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.