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Ratingen
Für die Kleinsten sind Kita-Plätze knapp

Ratingen: Für die Kleinsten sind Kita-Plätze knapp
Am Meygner Busch in der Nähe zum Felderhof entsteht eine neue Kindertagesstätte. Die soll ab dem Jahr 2017 Entlastung bringen. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Die Anmeldefrist für das kommende Jahr endete gestern. Die Stadt muss dringend weitere Tagesstätten bauen. Von Dirk Neubauer

Ab jetzt wird zusammengezählt: Bis Ende November sollten angehende Kita-Eltern ihren Nachwuchs angemeldet haben, falls der im kommenden Jahr einen Betreuungsplatz benötigt. Erstmals könnte die Zahl der angemeldeten Kinder die 4000 übersteigen. Ob der Ausgleich zwischen Nachfrage und Angebot gelingt, steht vor allem im Bereich der Jüngsten - im Fachjargon "U3" genannt - noch spitz auf knapp. Falls Eltern trotz gesetzlichen Anspruchs keinen Kita-Platz bekommen, muss die Stadt ihnen unter Umständen die Betreuungskosten und den Verdienstausfall ersetzen.

So lautet das jüngste Urteil des Bundesgerichtshofs, vor dem drei Frauen aus Leipzig erfolgreich gegen die Urteile der Vorinstanzen geklagt hatten (AZ III ZR 278/15). Nach Meinung der obersten Richter ist eine Stadt bei Kita-Plätzen nur dann aus dem Schneider, wenn sie nachweisen kann, dass sie unverschuldet weniger Plätze anbietet als benötigt - also bei einem Mangel an Fachpersonal oder der Insolvenz des Bauunternehmers, der den Kindergarten eigentlich aufs Fundament setzen soll. Zu langsame Genehmigungsprozesse innerhalb einer Bauverwaltung gelten ausdrücklich nicht als Entschuldigung.

Bisher gab es für Ratinger Kinder unter drei 800 Betreuungsplätze; das entsprach einer Versorgungsquote von 55,4 Prozent, Tendenz: rückläufig. Ü3 - im klassischen Kindergarten - waren es 2.346 Plätze, hier liegt die Versorgungsquote bei ungleich günstigeren 82 bis 84 Prozent. Aber auch hier gilt: In Ratingen gibt es mit Breitscheid und Tiefenbroich, aber auch in West und Hösel-Eggerscheidt Stadtteile mit einer chronisch niedrigeren Versorgung als in benachbarten Wohnquartieren. Dort wurden die 40 Prozent Versorgung mit U3-Plätzen bisher gerade mal soeben erreicht. Das Jugendamt warnt: Die Quote könnte in den kommenden Jahren weiter absinken.

Denn hinzu kommen drei eigentlich positive Einflüsse, die es den Fachbeamten aber derzeit noch schwerer machen: Ratingen erlebt einen Zuzug vor allem von jungen Familien mit kleinen Kindern; es gibt einen leichten Anstieg bei den Neugeborenen. Und über die geflüchteten Familien entsteht ein weiterer Bedarf.

"Es gibt keinen Grund zur Panik, aber wir müssen vor allem im Bereich der Unter-Dreijährigen nachsteuern", sagte Dagmar Niederlein, die sich im Jugendamt um die Kita-Versorgung kümmert. Dabei sind selbst Einzelplätze dringend gesucht. In der Vergangenheit stillgelegte U3-Gruppen sollen ihren Betrieb wieder aufnehmen. Im April 2017 wird die Tagesstätte Meygner Busch für etwas Entlastung sorgen.

Dennoch müssen weitere Tagesstätten gebaut werden, um den Versorgungsstand zu halten. Die Standorte Mintarder Weg in Breitscheid (städtische Kita) und Sinkesbruch in Hösel (Elterninitiative) werden geprüft. Bis diese ihre Pforten öffnen können, sollen bestehende Einrichtungen zur Not auch mit Wissen des Amtes überbelegt werden, um möglichst viele Plätze schaffen zu können. Hinzu kommt ein intensives Nachvergabeverfahren, durch das das Jugendamt es in den vergangenen Jahren geschafft hat, mehr Elternansprüchen gerecht zu werden, als es Skeptiker befürchtet hatten. Hierbei wird so lange zwischen Eltern und Einrichtungen vermittelt, bis man zueinander findet.

Quelle: RP
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