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Ratingen
Funkwellen liefern Infos aus aller Welt

Ratingen: Funkwellen liefern Infos aus aller Welt
Bei einem Stromausfall könnten Funkamateure notfalls mit Hilfe einer Autobatterie auf Sendung gehen. Unser Bild zeigt Helmut Lübbecke im Hildener Radiomuseum von Helmut Stein. FOTO: Mikko Schümmelfeder
Ratingen. Heute ist Unesco-Welttag des Radios: Was das in Zeiten des digitalen Wandels bedeutet, wissen zwei Experten. Von Alexander Carle

Am 13. Februar steht das Radio als Massenmedium zum sechsten Mal im Licht eines Unesco-Welttages. Vor Ort wissen zwei Hildener Interessantes über dieses universelle Medium zu berichten. Seit mehr als zehn Jahren leitet Dr. Helmut Stein ein Radiomuseum in den Räumen des QQtec. Im Hildener Westen stellt er mehr als 200 Radiomodelle aus. Das älteste wurde 1925 gebaut, die jüngsten stammen aus den 1980er Jahren.

Die meisten Exponate hatte der Physiker gerettet, bevor seine ehemaligen Arbeitgeber sie auf den Sperrmüll warfen. Stein arbeitete 17 Jahre bei der Firma Blaupunkt, später bei Nokia und bei dem Pay-TV-Sender Premiere. Er kam viel herum und ist seit 1977 leidenschaftlicher Sammler alter Radiogeräte - seien es "Schneewittchensärge" oder "Tonmöbel in Holzoptik", wie er seine Geräte kommentiert. "Was man heute als Internet-Streaming bezeichnet, macht das Radio seit der ersten Sendeminute. Es war immer ein konstanter Informationsstrom", sagt Stein. Was die Zukunft des Radios im Zeitalter ständig verfügbarer digitaler Inhalte anbelangt, zeigt Stein sich gelassen: "Was am Rundfunk unersetzbar bleibt, ist die redaktionelle Aufbereitung einer Vielzahl an Informationen. Beim Radiohören lässt man sich berieseln. Dagegen gezielt nach allen tagesrelevanten Inhalten suchen: Das kostet Unmengen an Zeit". Heutzutage fände aber durch moderne Empfangsgeräte wie Smartphones oder Tablets eher eine Entwöhnung dieser Berieselung statt, meint Stein, der sich trotz allem spaßeshalber einen "homo digitalis" nennt. Was es bedeutet, Funkwellen hinaus in die Welt zu schicken, damit sie in antiken oder neuen Radiogeräten als Stimmen oder Musik ertönen, weiß ein weiterer Helmut zu berichten. In Hilden-Ost hat der Amateurfunker Helmut Lübbeke eine kleine Funkstube eingerichtet. Das Kämmerchen im Keller ist bis zur Decke gefüllt mit Geräten, Kabeln und Werkzeugen. Obendrauf liegt ein Exemplar eines Funker-Fachmagazins vom vergangenen Dezember.

Lübbeke dreht an einem kleinen analogen Funkgerät: "Da ist nichts, kein Mittelwellen-Rundfunk mehr". Nur geisterhaftes Rauschen ist zu hören. "Da kann man drehen, wie man will. Die analogen Sender sind alle weg". Lübbeke beklagt den Schwund analoger Funksignale. "Im Ernstfall gibt es keine Kommunikation mehr, falls durch einen Stromausfall die Internetverbindungen wegbrächen", sagt Lübbeke. "Wir Amateurfunker wären die einzigen, die weitersenden könnten. Notfalls mit Autobatterien." Als er einen Regler in die richtige Position bringt, ertönen geheimnisvolle Geräusche und hin und wieder erklingen Wortfetzen. "Da unterhält sich ein Italiener mit einem Jugoslawen", hört Lübbeke heraus. Er dreht und lauscht weiter: "Und das Signal hier kommt aus Duisburg." Lübbeke ist gelernter Scherenschleifer und seit 50 Jahren lizensierter Amateurfunker. Egal, mit welchem Kollegen er über Funk in Verbindung tritt, er stellt sich mit "DC3JD" vor. Funker sind auf gewisse Weise Trophäensammler: Sie geben einander Daten durch, lassen diese dann vom Deutschen Amateur Radio Club mit Sitz in Baunatal verifizieren und dann landen über die jeweiligen Ortsverbände alsbald kleine Kärtchen im Briefkasten. Lübbeke hat einen dicken Stapel davon. Sie bezeugen sein Netzwerk, ähnlich wie seine Deutschlandkarte an der Wand, auf der er zwischen Hilden und anderen Orten Linien gezogen hat. Aus Hilden strahlt es in alle Himmelsrichtungen quer durch Deutschland.

Die Namensvettern Helmut Stein und Helmut Lübbeke teilen nicht nur Begeisterung für das Funken und Empfangen; den beiden Experten war vom Unesco-Welttag des Radios wenig bekannt. Zu groß sei die Fülle an Gedenktagen geworden. Aber die beiden Enthusiasten sind sich einig: Das Radio darf seine Bedeutung nicht verlieren.

Quelle: RP
 
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