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Hösel
Gemeinsam wohlfühlen

Hösel: Gemeinsam wohlfühlen
Das Demenz-Café "Glockenblume" in Hösel gibt es seit 2009. Träger ist die evangelische Gemeinde. FOTO: A. Blazy
Hösel. Als vor Jahren die eigene Schwiegermutter an Demenz litt, war das für Rosemarie Roßberg die erste Berührung mit der Krankheit. Heute leitet sie in Hösel das Demenz-Café "Glockenblume" der evangelischen Kirche. Von Stefan Mülders

Während andere Demenz-Cafés in der Region Wert darauf legen, dass die Gäste völlig frei vom Einfluss Angehöriger ihre Zeit verbringen können, ist das Konzept im "Café Glockenblume" ein anderes. "Wir halten es für wichtig, dass die pflegenden Angehörigen wenigstens ein Mal einen Eindruck von der Arbeit bekommen", erklärt Rosemarie Roßberg, die ehrenamtliche Leiterin des Cafés. "Aber auch darüber hinaus laden wir die Angehörigen gerne ein, dabei zu sein. Es sollen sich alle wohl fühlen können." Gemeinsam mit ihr kümmern sich vier weitere Damen ehrenamtlich im Rahmen des zweiwöchentlichen Angebots um die dementen Gäste. Zwei von ihnen haben den Kurs der Ratinger Demenzinitiative noch nicht besucht. Unterstützt werden sie dabei von zwei hauptamtlich tätigen Fachkräften: Pflegeberufe-Ausbilderin Dagmar Bach-Stute und Barbara Renollaud, die Leiterin des Marie-Theresien-Stifts.

"Weil die beiden aber nicht immer zugegen sein können, gibt es für uns noch eine Notfallnummer. Die mussten wir zum Glück noch nie benutzen." Der Ablauf des Cafés folgt stets einem gleichen Grundschema: Ankommen, Kaffee trinken, Bearbeitung eines bestimmten Themas, das durch die Mitarbeiterinnen vorbereitet wird, anschließend spielen und singen. "Musik mit Bewegung kommt bei uns noch etwas zu kurz, da würden wir gerne mehr anbieten können." Rosemarie Roßberg ist mit ihren 70 Jahren nicht selbst von Demenz betroffen, kennt die Krankheit aber schon lange. Vor rund 15 Jahren erkrankte ihre Schwiegermutter und wurde zunächst gut ein Jahr lang zuhause gepflegt. "In dieser Zeit konnte ich mich mit ihr intensiv über die Krankheit auseinandersetzen." Sozial engagiert ist Roßberg seit vielen Jahren. 2008 wurde sie dann ins Presbyterium der Gemeinde gewählt, wo es zur nächsten Berührung mit Demenz kam. Pfarrer Dr. Dieter Jeschke sah es als wichtig an, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Die Idee zur Gründung eines Demenz-Cafés war geboren und Anfang 2009 in die Tat umgesetzt. Seitdem werden immer wieder auch Menschen gesucht, die ehrenamtlich die Betreuung mit übernehmen wollen. Das Angebot gehört für Rosemarie Roßberg unbedingt zu den Aufgaben einer Kirchengemeinde. "Die Gemeinde ist eine Möglichkeit, Menschen zusammen zu bringen", sagt sie. "Wir würden uns unglaubwürdig machen, wenn wir das nicht auch Kranken bieten könnten." Die Kirchengemeinde ist zwar Träger des Cafés, der Besuch steht aber allen Menschen offen. Zu dementen Menschen nach Hause kommen können die Helferinnen nicht. Ausnahmen sind Erstgespräche oder gelegentliche Besuche bei ehemaligen Gästen der "Glockenblume".

Quelle: RP
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