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Ralf Bauer
Generalprobe zur fünften Premiere

Ratingen. Nach knapp einem Jahr Pause starten Ann-Cathrin Sudhoff und Ralf Bauer eine erneute Tournee mit der Komödie "Gut gegen Nordwind". Der Schauspieler gastiert am 29. Januar im Stadttheater am Europaring. Ein herzzerreißendes Stück, so Bauer.

Das Stück "Gut gegen Nordwind" ist ein Dauerbrenner auf Deutschlands Theaterbühnen geworden. Im Solinger Pina-Bausch-Saal war der Auftakt zur inzwischen schon fünften Tournee. Gibt es da noch keine Abnutzungserscheinungen ?

Bauer Es ist eine Grundauffassung beim Theater spielen. Ich habe relativ früh gelernt, dass wir Schauspieler eine Bringschuld gegenüber dem Publikum haben. Und wenn man diese innehat, dann ist es egal, ob man ein Stück zum zehnten oder zum 500. Mal spielt. Das Bekannte macht es auf der Bühne aber auch sehr angenehm, weil sich vieles im Körper festgesetzt hat. So wird die Rolle immer eigener, immer persönlicher.

Was macht den Reiz und den Erfolg dieser Geschichte um eine zufällige Internet-Bekanntschaft aus, dass sie immer wieder neu aufgelegt wird ?

Bauer (lacht) Ehrlich gesagt: Das habe ich mich auch gefragt. Ich habe es so oft angeboten bekommen und habe es immer wieder abgelehnt - bis schließlich zwei Theater parallel hartnäckig angefragt haben. Als ich es dann gespielt habe, wusste ich es. Es ist ein schneller Ping-Pong-Austausch dieser zwei Menschen, die sich nie sehen, ineinander verknallen, verlieben. Es ist einfach ein herzzerreißendes Stück. Ich liebe Klassiker. Goethe, Schiller und Co. Und warum ? Weil sie Emotionen so wunderschön mit Wörtern beschrieben haben. Das ist Daniel Glattauer genauso gelungen. Ich weiß nicht, ob man dafür extra aus Österreich kommen muss.

Eine andere Zutat des Erfolgsrezeptes, dass es so lange funktioniert, scheint die Kombination Ralf Bauer und Ann-Cathrin Sudhoff.

Bauer Die Chemie kann man nicht herbei zaubern. Sie ist elementar im Fernsehen wie im Theater oder beim Film. Ich habe das Beispiel mit dem Ping-Pong-Spiel nicht umsonst erwähnt. Wenn Chinesen als Show Tischtennis spielen, muss jeder wissen, welcher Schlag in welche Ecke mit welchem Tempo gespielt wird. Das ist Absprache. Beim Schauspiel funktioniert das genauso - aber nur, wenn die Chemie auch stimmt.

Die Generalprobe war im Solinger Theater. Wie war der Vorlauf ?

Bauer Wir haben dieses Stück ein Jahr lang nicht mehr im Theater gespielt. In München haben wir nur zwei Tage gehabt, um "Gut gegen Nordwind" sowie die Fortsetzung "Alle sieben Wellen" aus dem Körper, aus dem eigenen Inneren herauszuholen. Nachdem hier die Probebühne nicht richtig aufgebaut war, hatten wir in Solingen noch einmal in der richtigen Kulisse einen letzten Durchlauf.

Welchen ersten Eindruck haben Sie vom Pina-Bausch-Saal ?

Bauer Er ist groß. (Pause) Groß. (Reißt die Augen auf) Verdammt groß. Nur leider ist man etwas weit weg von den Zuschauern. Da werden wir etwas mehr mit der Stimme arbeiten müssen.

Sie sagen, es soll die letzte Tournee mit diesem Stück sein. Wie sieht es danach mit einem Musical aus ? Jetzt, wo sie seit "Let's Dance" mit den Grundlagen ausgestattet sind.

Bauer Musical möchte ich schon lange machen. Es gab auch ein Angebot für "Bodyguard". Im Februar beginnen die Proben für ein Stück, in dem ich Regie führe und selbst spiele. Und im Herbst ist gleiches für eine Kino-Produktion angedacht. Die Eigenproduktion betrachte ich als meine Zukunft.

GUIDO RADTKE FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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