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An(ge)dacht
Gottes Güte lässt alle Begrenzungen fallen

Ratingen. Im Vaterunser nicht nur um ein Auskommen für sich allein, sondern für die Weltgemeinschaft bitten - dies fordert Pfarrer Michael Füsgen. Denn das Gebet ist aus seiner Sicht ein "Gemeinschaftsgebet".

Verschiedene rote Fäden ziehen sich durch die Bibel! Es gibt Aussagen im ersten Teil der Bibel, die wieder aufgenommen und fortgeführt werden, zum Beispiel in den Evangelien.

Ein Thema, das sich wie ein roter Faden durchzieht, sind die Fragen nach dem täglichen Brot und wie wir mit Menschen in Not umgehen: "Brich dem Hungrigen dein Brot, nimm die herumgestoßenen Armen in dein Haus auf, wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und verschließe dich nicht vor deinen Mitmenschen" - so fordert es Gott von uns beim Propheten Jesaja.

Es handelt sich hierbei um die schlichte, wirkungsvolle und auf ihre Weise wunderbare Großzügigkeit und Solidarität, die wir auch in den Evangelien und in den Geschichten von der wunderbaren Brotvermehrung (Speisung der 4000 oder 5000) wiederfinden.

Dort fordert Jesus seine Jünger auf: "Gebt ihr ihnen zu essen!" Und im Gleichnis vom Weltgericht wird als erstes in den Mittelpunkt ebenso die Solidarität mit den Hungernden gestellt: "Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben!"

Nicht umsonst beten wir im Vaterunser: "Unser tägliches Brot gibt uns heute". Diese Bitte um das Lebensnotwendige (für Martin Luther waren das zum Beispiel Essen, Trinken, Kleider, Schuhe, gute Freunde, getreue Nachbarn) ist eine Bitte einer teilenden Gemeinschaft um das Tägliche, ja Alltägliche, das wir von Gott immer wieder geschenkt bekommen! Und ich bitte im Vaterunser nicht um ein Auskommen für mich allein, sondern um das Brot für uns, das heißt für mich, meine Familie, meine Nachbarn, für die Weltgemeinschaft!

Wir gehören dazu in dieser Gemeinschaft, in der alle Grenzen und Begrenzungen von Gottes Güte her fallen. Es ist ein Gemeinschaftsgebet. Wir werden hineingestellt in die Gemeinschaft aller und damit mitten in unsere Welt, die Brot braucht zum Leben und Überleben.

Wir können geben nicht nur vom Überfluss, sondern uns selbst schenken.

PFARRER MICHAEL FÜSGEN HOMBERG/KNITTKUHL

Quelle: RP
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