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Ratingen
Griese erhält auf SPD-Kreisparteitag nur 78 Prozent

Ratingen. So ganz wusste Kerstin Griese dann nicht, ob sie sich freuen sollte: Zwar wurde sie auf dem SPD-Kreisparteitag als Vorsitzende im Amt bestätigt, doch die 78 Prozent, mit denen das geschah, waren nicht unbedingt ein Traumergebnis für die Bundestagsabgeordnete aus dem Nordkreis. Ob es an der Kritik lag, die im Forum Niederberg in Velbert an der Vorsitzenden aufgekommen war?

Denn der Ratinger Dirk Brixius hatte vorher deutliche Worte in ihre Richtung gefunden: "Dein ehrenamtliches Engagement in der Evangelischen Kirche passt nicht zur SPD, Du musst neutral sein." Außerdem kritisierte Brixius, dass Griese bei der Gewissensentscheidung über das Verbot des geschäftsmäßig assistierten Suizids anders abgestimmt habe als die Mehrheit der SPD-Bundestagsabgeordneten. Das alles dürfte am Ende zu dem nicht gerade überragenden Wahlergebnis geführt haben, denn Grieses Stellvertreter bekamen deutlich bessere Werte von den Delegierten. Spannend war es bereits vor den Wahlen, als der Politologe Ulrich von Alemann sprach: "Wir müssen darüber nachdenken, wie wir die in Verachtung umschlagende Parteienverdrossenheit aufhalten können", warnte er und wollte sich nicht zu einer Prophezeiung hinreißen lassen, ob sich die AfD langfristig in der deutschen Parteienlandschaft wird etablieren können. Dass die derzeitigen Erfolge der Alternative für Deutschland für die Demokratie eine Herausforderung sind, machte von Alemann nicht bloß an den Positionen der AfD fest: ""In vielen Räten gibt es eine breite Zersplitterung, die Mehrheitsbildung ist in höchstem Maße problematisch geworden." Er trat für die Einführung einer moderaten Sperrklausel ein, um das zu verhindern.

Doch die SPD beschäftigte sich auch mit sich selbst und der derzeit nicht optimalen Zustimmung des Wählers. Oliver Zeisberger von der PR-Agentur Squirrel & Nuts erklärte, dass sich die SPD mehr um Zielgruppen kümmern sowie Programme und Wahlkampfkommunikation entsprechend entwickeln müsse. Und auch die Persönlichkeit des Kandidaten sei ein wichtiger Faktor, wie Ulrich von Alemann herausstellte: "Doch die Attraktivität der Parteien für kreative und kompetente Persönlichkeiten sinkt." Somit werde es deutlich schwerer, auch einmal kantige Persönlichkeiten zu finden, die sich aufstellen lassen würden.

(wol)
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