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Holger Oeldemann
Handwerk von Grund auf vermitteln

Holger Oeldemann: Handwerk von Grund auf vermitteln
FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)
Ratingen. Die kreisbeste Auszubildende 2015 hat bei Schilder- und Lichtreklameherstellermeister Holger Oeldemann in West gelernt.

Sie stellen in diesem Jahr die kreisbeste Auszubildende im Bereich der Handwerkskammer des Kreises, Glückwunsch.

Oeldemann Da müssen sie natürlich in erster Linie meiner ehemaligen Auszubildenden Lisa Gerstberger selbst gratulieren. Schließlich hat sie dieses Ergebnis erreicht, wir als Ausbildungsbetrieb haben da nur einen kleinen Teil zu beigetragen.

In der heutigen Zeit nicht selbstverständlich, dass Auszubildende so stark sind.

Oeldemann Das höre ich oft von anderen Kollegen, aber wir haben immer Glück gehabt mit den Berufseinsteigern, die wir genommen haben. Ich versuche immer, mich bei einem Probearbeiten davon zu überzeugen, ob und wie junge Leute in unser Team passen, sich integrieren können und aufgeschlossen sind. Klar, es ist nicht möglich, in ein paar Stunden Probearbeit alle Entwicklungen vorauszusehen, aber bisher hatte ich noch immer das richtige Näschen.

Oft wird bemängelt, den heutigen Azubis würde es an dem fehlen, was man neudeutsch "soft skills" nennt - also zum Beispiel Pünktlichkeit, Disziplin.

Oeldemann Persönlich musste ich diese Erfahrungen noch nicht machen. Das wäre in einem kleinen Team wie unserem auch kaum durchzuhalten. Wir sind zehn Mitarbeiter, da muss man sich auf jeden verlassen können, alle müssen an einem Strang ziehen. Das gilt für die Chefs wie die Azubis.

Sie bilden zum Schilder- und Lichtreklamehersteller aus. Was verbirgt sich dahinter?

Oeldemann Dahinter verbirgt sich ein breites Spektrum an Handwerksberufen, denn die Arbeit ist sehr vielfältig. Wir stellen die Werbemittel, Autofolien oder die Beschriftungen nicht nur selbst her, sondern entwerfen und montieren sie auch. Und so lernen die Auszubildenden zum Beispiel Schrift- und Stilkunde, um zum Beispiel Werbeschilder auch an das Gesamtbild einer Straße einfügen zu können. Sie lernen Grundzüge aus dem Schlosser-Handwerk, die Anwendung von CNC-Maschinen, aber zum Beispiel auch Ausschneidetechniken von Hand für Folien.

Sie bilden sowohl Frauen als auch Männer aus. Was müssen die Bewerber mitbringen?

Oeldemann Unabdingbar ist handwerkliches Geschick. Dazu kommen mathematische Fähigkeiten und Sicherheit in der deutschen Sprache. Denn nichts ist schlimmer als Fehler auf Werbeschildern. Und außerdem sollte man auch schwindelfrei und leiterfest sein.

Wieso das denn?

Oeldemann Werbeschilder hängen oft in großen Höhen. Wir mussten zum Beispiel einmal das Arag-Schild auf dem Hochhaus des Versicherungsunternehmens auf Vordermann bringen. Da geht es dann mit dem Fensterputzeraufzug nach oben. Und ich sage ihnen, das schaukelt ganz schön.

Ihren Betrieb gibt es seit 1914, Anfang der 1970er Jahre zog Ihr Vater nach West. Eine gute Entscheidung?

Oeldemann Wir fühlen uns hier sehr wohl. Die direkte Anbindung an das Autobahnnetz ist für uns heute noch von genau so großer Bedeutung wie für meinen Vater damals. Als er hier gebaut hat, war hier nahezu noch komplett grüne Wiese, die Hochhäuser entstanden gerade. Heute hat sich das Gebiet immer mehr entwickelt. Und auch die Zusammenarbeit mit der Stadt empfinden wir als sehr angenehm. Wir haben zwar noch immer unser Ursprungsgeschäft in der Düsseldorfer Innenstadt, aber die Zentrale ist hier. Hier produzieren wir alles selbst.

Inwieweit hat sich Ihr Gewerbe verändert?

Oeldemann Das geht rasend schnell. Noch vor wenigen Jahren war Neon in der Lichtwerbung das Maß aller Dinge, heute geht nichts mehr über LED. Damit kann ich ganz andere Dinge erreichen als früher. Und die Entwicklung geht weiter. Für ein mittelständisches Familienunternehmen ist es wichtig, auf der Höhe der Zeit zu bleiben.

Dabei sparen in einer Krise doch die meisten Firmen an Werbung, oder?

Oeldemann Unser Geschäft ist flexibler geworden, es gibt nicht mehr typische Saisonzeiten, aber mit Krisen haben wir keine Probleme. Denn viele Firmen investieren gerade dann in Werbemittel, um auf sich aufmerksam zu machen - Licht lockt Leute an.

WOLFGANG SCHNEIDER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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