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Analyse
Hauptstraßen-Statistik ist praktisch nicht nutzbar

Heiligenhaus. Die IHK liefert mit ihrer Umfrage unter Passanten und Geschäftsleuten eine Momentaufnahme mit Standarddaten. Vergleiche zur vorangegangenen Umfrage hinken. Konkret wird dagegen die SPD in ihrem Kommentar zur Statistik. Von Paul Köhnes

Was tun, wenn die gleiche statistische Erhebung binnen vier Jahren zum Teil auf zwei völlig verschiedenen Grundlagen steht? Das ist eine der zahlreichen Fragen, denen sich IHK-Zweigstellenleiter Ulrich Hardt Ende des vergangenen Jahres ausgesetzt sah. Sein Haus hatte Kunden in der Innenstadt und Gewerbetreibende zum Thema "Einkaufsstandort Heiligenhaus" befragt. Wie dies turnusmäßig geschieht.

53 Händler erhielten einen Fragebogen, 29 schickten ihn ausgefüllt zurück. Mit der Rücklaufquote von knapp über der Hälfte gab Hardt sich zufrieden. Vier Jahre zuvor waren noch knapp 80 Prozent Antworten auf die gleichen Fragen zurückgekommen. Das wurde als Rekord gefeiert. Dass mehr als 80 Prozent der befragten Kunden Veränderungen im Angebot "nicht wahrgenommen" haben, zählt die IHK zu den "komischen Ergebnissen", die es in Umfragen eben geben könne. Dass Kunden jetzt in der Stadt mehr Geld ausgeben, aber nicht mehr so lange bleiben wie vor vier Jahren noch, ließ sich weiter aus den Zahlen herauslesen. Ebenso eine Art Gesamtnote. Die Kunden geben der Innenstadt eine 2,8. die Händler eine 2,4.

Inzwischen hat sich die SPD daran gemacht, die IHK-Umfrage unter die Lupe zu nehmen. Die umgestaltete Hauptstraße sei das eine Ding, "Mängel in der Aufenthaltsqualität" - wie sie die Kunden bemängeln - ein ganz anderes. Im Übrigen, so Fraktionschef Peter Kramer, sei "die Gestaltung des öffentlichen Raums nur ein nachrangiger Faktor. Erst ein gutes Warenangebot sorge für zufriedene Kunden.

Genau hier zeichnet die SPD ein eher düsteres Bild: "Hier fehlt es nach wie vor am richtigen Branchenmix. Einige Sortimente, wie Elektro- und Haushaltswaren, sind gar nicht zu finden. Diese sollten einmal mit dem geplanten Einkaufszentrum auf dem Kiekert-Gelände nach Heiligenhaus kommen. Doch nach jahrelanger Hängepartie hat der Investor Procom unlängst bekundet, dass er das Bestellte nicht einmal ansatzweise liefern kann. Um den Anschein eines Einkaufszentrums überhaupt noch am Leben zu halten, möchte er nun den Drogerie-Markt aus der Hauptstraße abwerben. Rewe hat bekundet, schließen zu wollen, wenn Kaufland kommt." Für Kramer ergibt sich daraus eine Grundsatzfrage: "Statt der beiden am besten frequentierten Geschäfte in der Hauptstraße künftig neue Leerstände?"

Die IHK zeichnet dagegen ein anderes Bild der Kundensicht: Zwar werde die positive Bewertung durch die Kaufleute "nur ansatzweise geteilt". Doch die Kunden vermissen weniger Warenangebot als vor vier Jahren. Dass sie kürzer in der Stadt verweilen, sei "möglicherweise" darauf zurückzuführen, dass es sehr wohl Nachholbedarf im Angebot gebe. Der Wunschzettel umfasse aber auch einheitliche Öffnungszeiten, mehr Stadtmarketing-Aktionen, Ruhezonen, Sitzgelegenheiten und öffentliche Toiletten.

Die Frage für 2016 bleibt, wer die gewonnen Erkenntnisse zusammenführt: Die Statistik auf der einen Seite - sie ist aktuell die einzige Datensammlung vergleichbarer Art - und den konkreten Planungsstand für die Hauptstraße. Speziell in Sachen Einkaufszentrum wird es Zeit für Konkretes und Sichtbares. So lange auf der Brache an der Ecke Westfalenstraße und Kettwiger Straße das Grün wuchert, sind statistische Prognosen kaum nutzbar.

Quelle: RP
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