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Heiligenhaus
Heiligenhauser Hilfe kommt direkt an

Heiligenhaus: Heiligenhauser Hilfe kommt direkt an
Die Spenden kamen rechtzeitig vor Weihnachten an. Es wurde nicht nur Überlebensnotwendiges eingepackt, sondern auch Süßes für Kinder. FOTO: privat
Heiligenhaus. Petra Ullrich war für ihren Verein "Vergessene Kinder" vor Weihnachten wieder in Rumänien – eine Jahresbilanz. Von Paul Köhnes

Es war die letzte Reise für 2014 – aber die Hilfsaktion geht weiter. Petra Ullrich, Vorsitzende des Vereins "Vergessene Kinder", ist von einer Reise nach Rumänien zurück. Diesmal wurde sie von Petra Schmitz aus Mettmann begleitet und unterstützt.

Ullrich zieht eine Bilanz der bisher geleisteten Hilfe. Es gab Sachspenden im Wert von über 350 000 Euro – aber nur wenige Geldspenden. "Auszeichnungen von politischen Parteien, von Medien, Lions Club und von kommunalen Verbänden hat der Verein zahlreich erhalten", so die Organisatorin. Einige Richter verhängen Geldstrafen zugunsten von "Vergessene Kinder", einige Firmen unterstützen, einige Privatpersonen helfen regelmäßig durch Geldspenden. Ohne diese Unterstützung wäre auch die jetzige erfolgreiche Hilfsaktion nicht durchzuführen gewesen.

Ullrich erlebte ein Siebenbürgen, das so glücklich wie noch nie über die regelmäßige Hilfe ist. Wenn es für das ganze Land auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, bedeuten die Tonnen von Hilfsgütern, die aus Heiligenhaus gezielt an Familien verteilen konnten, eine Überlebenshilfe für Hunderte Menschen. Die Sanierung einiger Häuser durch "Vergessene Kinder" in den vergangenen Monaten hat sich bereits in vielerlei Hinsicht gelohnt. Die Häuser bieten wieder Schutz vor extremer Kälte, die häufig bis über minus 25 Grad reicht.

Die Fußböden sind zwar noch aus Lehm, eine Bodenplatte etc. wäre aber zu aufwendig geworden. Wichtiger war das Abdichten der Dächer und der Wände, was sich bewährt hat. Hoffentlich können im nächsten Sommer weitere Häuser abgedichtet werden. "Leider nimmt die Armut weiter und weiter zu. Die EU hat für die Menschen in Rumänien nicht zum Vorteil gereicht", so Ullrichs Erfahrung.

Ein Beispiel aus dem Lebensalltag: Eine Bekannte am Ort arbeitet noch mit 78 Jahren als Verkäuferin. Bei dem Besuch in ihrem Haus fragte Ullrich sie, wieso sie vollkommen angezogen mit Handschuhen im Bett gelegen habe. Peinlich berührt sagte sie, dass sie kein Geld habe, um das Gas für die Heizung zu bezahlen. Wenn Gas, Strom und Miete bezahlt sind, bleiben noch sieben Lei – das entspricht 1,60 Euro. Damit kann sie sich nichts mehr zu essen kaufen, deshalb muss sie das Geld für das Gas sparen.

Der Besuchs-Dienstag war Schuhtag. Hunderte gefütterte Schuhe wurden verschenkt. Auch Halbschuhe fanden reißenden Absatz, sie bieten viel mehr Schutz als offene Sandalen, die selbst bei 20 Grad minus auf der Straße getragen werden. In rumänischen Krankenhäusern gibt es keine Versorgung mit Essen und Trinken, das geht nur über Angehörige. Wer keine hat, muss auch im Krankenhaus hungern, er bekommt dann nur Tee, erfuhren die Heiligenhauser Helferinnen.

Jeden Tag haben sie 60 bis 70 Laib Brot gekauft und verschenkt. Am Morgen in Medias fütterte Ullrich mit einer alten Scheibe Brot Vögel. Eine alte Frau kam weinend zu ihr: "Bitte geben Sie es mir, ich habe Hunger."

Quelle: RP
 
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