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Analyse
Heißer Herbst für den Bürgermeister

Heiligenhaus. Nach den Ferien folgt bis Weihnachten ein Sitzungsmarathon. Unter anderem dürfte der neue Doppelhaushalt im Blickpunkt stehen. Aber das ist nur eines der dicken Bretter, die Michael Beck und seine Mitarbeiter zu bohren haben. Von Paul Köhnes

Im Kalender für Gremien und Ausschüsse sind traditionell die Schulferien vermerkt, in denen ebenso traditionell das Geschäft ruht - jedenfalls, was Sitzungen angeht. Und dann? Es folgen bis zum Beginn der Weihnachtsferien satte 20 Termine, beginnend in der Woche nach den Herbstferien - ein ziemlicher Marathon. Und offen ist - thematisch gesehen - was, wann, wie die Ziellinie erreicht.

Fest steht: Es braucht Kondition aller Beteiligten. Aber vorab gibt es zumindest einen Grund zum Durchatmen - verglichen mit vorangegangenen Jahren: Was den neu aufzustellenden Doppelhaushalt angeht, sieht die Perspektive nicht mehr stockfinster aus. Das ist, seit Veröffentlichung des jüngsten Quartalsberichts, die Einschätzung aus dem Rathaus. Genauer gesagt, von Michael Beck noch in seiner früheren Funktion als Kämmerer.

Aber völlig unabhängig von den Zahlen für 2018 und 2019 geht es ums Organisatorische innerhalb der Verwaltung. Die Ausschreibung der Kämmererstelle läuft. Sehr wichtig, denn - so erklärte Beck dem Rat: Als Bürgermeister dürfe er den neuen Haushalt nicht aufstellen, das sei rechtswidrig, trotzdem dürfe der Haushalt natürlich nicht vernachlässigt werden. So wurde Jutta Scheffler, der Leiterin des Fachbereichs Finanzen, für die Zeit des Übergangs mit einigen weiteren Aufgaben betreut, um überhaupt einen Haushaltsplanentwurf auf den Weg bringen zu können.

Nach dem Ende der drei Wahl-Kraftakte (Landtag, Bundestag, Bürgermeister) die in diesem Jahr in der Verwaltung organisatorisch zu stemmen waren, ist eines der dicksten Bretter noch übrig, die Politik und Verwaltung gemeinsam zu bohren haben: Wie soll die Arbeit an der Spitze der Verwaltung neu sortiert werden? In Sachen Kämmerei scheint eine Top-Übergangslösung geschafft. Aber was - hier nur als reines Gedankenspiel - wenn die bisherige Fachbereichsleiterin die Kämmerei als Beigeordnete übernähme? Schon wieder täte sich - eine Ebene tiefer - eine Lücke auf.

Klar ist: Mit Personalrochaden wird es auf Dauer nicht gehen. Auch nicht im Bereich des Technischen Beigeordneten - der ebenfalls fehlt. Und die Umstände des ersten, ergebnislos verlaufenen Bewerbungsverfahrens lassen wenig Gutes für eine etwaige Neuauflage ahnen. Aber die steht eh in den Sternen. An Arbeitsmangel hätte der Neue nicht zu leiden: Mit Blick auf die Entwicklung des neuen Gewerbegebiets "Grüner Jäger" und auf das Zustandekommen einer städtischen Wohnungsgesellschaft hätte der neue Technische Beigeordnete ein stattliches Bündel auf dem Tisch. Dass zudem der städtische Fachbereich Immobilien seit dem Weggang des langjährigen Chefs im Umbruch ist, kommt hinzu. Der Rat wird seine Arbeit um mehr als nur einen Akzent verschoben vorfinden. Lange Jahre ging es - bei erstaunliche konstanter Personalsituation - um kleine oder nicht vorhandene Gestaltungsspielräume. Oder schlicht ums Abwenden von Überschuldung. Jetzt gibt es - finanztechnisch - ein wenig Luft. Aber die Chefetage im Rathaus steht zu zwei Dritteln leer. Ein Dauerzustand darf das nicht werden.

Quelle: RP
 
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