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Barbara Schulz
Helfen mit Herz, Hirn und Humor

Barbara Schulz: Helfen mit Herz, Hirn und Humor
Barbara Schulz zur Arbeit mit Flüchtlingen: "Ich stelle jeden Tag fest, dass wir uns hier alle gegenseitig bereichern." FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Die selbstständige Personalberaterin engagiert sich ehrenamtlich in der Arbeit mit Flüchtlingen und tut dies sehr gerne.

Das ist auch nicht selbstverständlich, dass Sie Zeit für mich haben, oder?

Barbara Schulz (lacht) Wieso das denn?

Sie sind allein erziehende Mutter zweier Kinder, selbstständige Personalberaterin und arbeiten mehrere Tage in der Woche in der Notunterkunft am Karl-Mücher-Weg für das DRK.

Schulz Das ist zugegeben alles mit etwas Organisationstalent verbunden, aber an und für sich ist es immer nur die Frage, wie es klappt, nicht ob. Und im Zeitalter der mobilen Kommunikation bin ich glücklicherweise sowohl für meine Kinder als auch meine Kunden dann erreichbar, wenn ich hier in der Notunterkunft tätig bin.

Was sind Ihre Aufgaben dort?

Schulz Das Land, für das das DRK die Einrichtung betreibt, gewährt in der Regel nur wenig Einblicke in diese Unterkünfte, deshalb möchte ich da gar nicht so viel zu sagen. Es geht letztlich darum, zusammen mit meinen vielen Kollegen den Alltag der Bewohner zu organisieren, Neubelegungen vorzubereiten und durchzuführen, aber auch einfach mal ein Ohr für die Sorgen und Nöte der Bewohner zu haben.

Es werden immer mal wieder Stimmen laut, die sich über die Abschottung beschweren.

Schulz Das kann ich nicht verstehen. Nahezu alle Menschen hier haben Schlimmes erlebt - sei es durch Krieg oder Gewalt in ihrem Heimatland oder auf der teilweise dramatischen Flucht. Diese Menschen brauchen nach ihrer Ankunft in Deutschland vor allem Ruhe und Struktur, um zu begreifen, dass sie hier in Sicherheit vor Bomben und Gräueltaten sind. Wenn da jetzt noch ein "Flüchtlings-Tourismus" entstehen würde und jeder einfach mal zum Gucken rein kommen könnte, wäre das fatal.

Warum sind Sie überhaupt hier?

Schulz Ich hatte gerade einige größere Projekte beendet und Zeitkapazitäten. Und da ich niemand bin, der nur theoretisch denkt, sondern auch handelt, habe ich mich beim DRK beworben, um zu sehen, inwieweit ich mit meinen Fähigkeiten und Eigenschaften hier helfen kann.

Was für Eigenschaften sind das, die man hier braucht?

Schulz Wie überall im Leben braucht man auch in solch einer Einrichtung Herz, Hirn und Humor, sonst geht es einfach nicht. Letztlich kommen sie hier aber vor allem ohne Flexibilität und Stressresistenz nicht aus. Es gibt Tage, da ändert sich innerhalb von kürzester Zeit alles, alle Planungen oder Vorhaben müssen geändert werden. Die Notunterkunft wurde zum Beispiel vor kurzem auf 300 Betten aufgestockt. Da kann es passieren, dass das Land sich meldet und fragt, ob wir noch Kapazitäten haben. Wenn dem so ist, bleibt oft nur wenig Zeit, alles vorzubereiten. Der Alltagsbetrieb läuft dabei aber natürlich weiter.

Sie haben in diversen Führungspositionen gearbeitet. Sie vermitteln Führungskräfte für Unternehmen - gibt es etwas, was Sie in der Unterkunft gelernt haben, obwohl Sie viel Lebens- und Berufserfahrung haben?

Schulz Definitiv. Ich lerne jeden Tag. Und mein persönliches wie fachliches Rüstzeug ist genau das, was mich hier in die Lage versetzt, meine Energie in die passenden Bahnen zu bringen. Außerdem stelle ich jeden Tag fest, dass wir uns hier alle gegenseitig bereichern, alle voneinander lernen. Ich kann mit Menschen - das ist es, worauf es ankommt hier.

Alles in allem klingt das nach stressigen Tagen. Wie entspannen Sie?

Schulz (lacht) Gar nicht, ich brauche das, muss unter Strom stehen. Aber die Zeit mit meinen Kindern, ein Gang mit meinem Hund und abends ab und an ein gutes Glas Wein, das erdet mich und hilft mir, Abstand zu den vielen schlimmen Schicksalen zu gewinnen, mit denen wir es hier zu tun haben.

WOLFGANG SCHNEIDER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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