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Lintorf
Herr Blum macht Lintorf sauber

Lintorf: Herr Blum macht Lintorf sauber
Karl-Heinz Blum greift regelmäßig zur Harke, um die Bepflanzung rund um die Baumscheiben in Lintorf in Ordnung zu halten. Alles, was er zum Saubermachen braucht, hat er griffbereit dabei. FOTO: Achim Blazy
Lintorf. Zerknüllte Kassenzettel, aufgerissene Verpackungen, fragwürdige Papiertaschentuch-Knäuel, dazu Kronkorken und Kippen. Im vergangenen Jahr war es Karl-Heinz Blum schlicht leid. Er baute sich einen Handkarren, auf dem ein Müllsack Platz hat. Einen Greifer, einen Besen und eine Schaufel gab es im Baumarkt - dazu eine Weste in leuchtendem Orange. Seither streift Blum regelmäßig durch sein Quartier. Von Dirk Neubauer

Die Mission: Lintorf zu einem sauberen und gepflegten Stadtteil Ratingens zu machen. Dafür sucht er am morgigen Sonntag, 11. Juni, noch Mitstreiter. Wer Lust hat, Lintorf auf Vordermann zu bringen, kann mit einem Frühschoppen im Bürgershof starten. Zwischen zehn und elf Uhr erwartet Blum Freiwillige. Und ist heute, so kurz vor dem Termin, eher skeptisch: "Ich bin schon oft für meine Arbeit gelobt worden. Viele haben mit auf die Schulter geklopft und gesagt, dass sie ganz toll finden, was ich mache." Selbst aktiv zu werden, das fällt den meisten nicht so rasch ein wie eine Ausrede: "Mein Rücken - ich kann nicht helfen, leider."

So hat sich der 77 Jahre alte, pensionierte Lehrer eher notgedrungen selbst eine Menge Fachkenntnisse angeeignet. Der dunkelgrüne, mit lila bemalte Papierkorb? Konnte durch einfaches Abwaschen wieder zum Strahlen gebracht werden. Die ursprünglich weißen, nun aber verwitterten und bemalten Sitzbänke hat Blum zunächst mit einer Aceton-Lösung gereinigt und anschließend mit einer Schicht Autowachs auf Hochglanz poliert. "Dadurch werden die Bänke gleichzeitig unempfindlich gegen ein rasches Verschmutzen."

Schmierereien rückt Blum mit Aceton-Lösung zu Leibe. FOTO: Blazy Achim

Für die Baumscheiben rund um die Speestraße spannte Blum den Hänger hinter sein Auto und fuhr vier Mal zum städtischen Bauhof, um Mulch abzuholen, den er wieder auf die zuvor sorgfältig gereinigten Baumscheiben verteilt hatte. "Das hat einige Tage lang tatsächlich gewirkt", hat Blum beobachtet. Selbst Starke machten um die über Nacht schöner gewordenen Baumscheiben einen Bogen.

Doch es muss nur der erste daherkommen und in den alten Ex-und-Hopp-Trott verfallen; schon ist die gesamte Fläche wieder in einem erbarmungswürdigen Zustand. "Sobald man die Behörden auf diese Missstände aufmerksam macht, wird man nicht angehört", klagt Blum. Neben seinem sauberen Einsatz für Lintorf erinnert er mittlerweile regelmäßig die Verwaltung an die Einhaltung ihrer Verpflichtungen. Sein Verdacht: Dort werde mit der derselben Sorgfalt vorgegangen, die er an den Tag legt.

"Wir sind sehr effizient aufgestellt", sagt der Leiter der kommunalen Dienste, Frank Licht. Je nach Straße kommt die städtische Kehrmaschine wöchentlich; in der Regel alle zwei Wochen. Verwinkelte Ecken werden von Hand gereinigt. Baumscheiben sind meist an private Gärtnerunternehmen als Auftrag vergeben. "So sorgfältig vorzugehen wie Herr Blum, das ist uns derzeit nicht möglich", sagt Licht geradeheraus. Dazu bräuchte es politische Beschlüsse - und zusätzliche Mittel.

"Die Lintorfer Werbegemeinschaft begrüßt den Einsatz von Herrn Blum. Er trägt dazu bei, Lintorf noch attraktiver zu machen", lobt die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Helga Krumbeck. Erstmals wollen es die Geschäftsleute in diesem Jahr mit einem Dreck-Weg-Tag im Herbst versuchen (siehe Infobox).

Derweil schrubbt Karl-Heinz Blum einen grauen, über und über beschmierten Verteilerkasten. Seinen schriftlichen Hinweis auf die verunstalteten Kästen haben die Stadtwerke zurückgewiesen. Dafür seien sie nicht zuständig. Vor lauter Ärger hat sich Karl-Heinz Blum bereits ein paar Dosen grauer Farbe gekauft. "Überstreichen ginge oftmals schneller als saubermachen", glaubt er. Nur eins hält ihn derzeit vom ersten Sprüheinsatz zurück: "Was ist, wenn die Polizei mich dann für einen Sprayer hält?"

Quelle: RP
 
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