| 00.00 Uhr

Lintorf
Hoffen und Bangen an der Speestraße

Lintorf: Hoffen und Bangen an der Speestraße
Jörg Baltzer schließt sein Elektro-Geschäft an der Speestraße Ende des Monats. Der Betrieb des Ladenlokals hat sich nicht mehr rentiert. FOTO: Blazy, Achim (abz)
Lintorf. An der zentralen Einkaufsstraße in Lintorf droht weiterer Leerstand - Werbegemeinschaft und Politik beschwichtigen. Von Karl Ritter

Es gab Zeiten, da wurde die Speestraße schon einmal als "kleine Schwester der Königsallee" bezeichnet - und das war nicht einmal übertrieben. Zahlreiche, teils hochwertige Modegeschäfte hatten hier ihren Sitz, zogen Kunden weit über die Stadtgrenzen hinaus in den Ort. Das ist schon lange vorbei, nur noch eine überschaubare Zahl an inhabergeführten Geschäften findet sich hier. Und es werden noch weniger. Der Speestraße drohen noch weitere zusätzliche Leerstände. Beim Textilgeschäft Opitz in der Mitte der Speestraße - eines der Traditionsgeschäfte im Ort - weisen große Plakate schon seit einiger Zeit auf den großen Räumungsverkauf hin, schräg gegenüber hat der Discounter Tedi zugemacht - allerdings nur kurzfristig, um zu renovieren.

Mit dem Textilgeschäft Opitz schließt an der Speestraße ein alteingesessenes Haus. Wie es mit den leerstehenden Ladenlokalen im Zentrum des Stadtteils weitergeht, ist noch völlig unklar. Die Zahl der Leerstände wird größer, die Sorgen der verbleibenden Einzelhändler ebenfalls. FOTO: Achim Blazy

Und auch Jörg Baltzer, mit seinem Fernseh-Geschäft eines der Urgesteine an der Speestraße, hört auf. "Es geht einfach nicht mehr, die Kunden bleiben weg", so der Geschäftsmann, der selbst seit über 15 Jahren an der Speestraße ansässig ist. Aber auch schon davor war in dem Ladenlokal über Jahrzehnte ein Elektro-Fachgeschäft. Für den Standort sieht Baltzer keine gute Zukunft: "Wenn das hier so weiter geht, sieht es in Lintorf bald so aus wie in Mülheim. Da steht auch fast jedes zweite Ladenlokal mittlerweile leer."

Ganz so negativ will Helga Krumbeck, seit einem halben Jahr Vorsitzende der Werbegemeinschaft, die Situation nicht sehen: "Natürlich ist es nicht schön, wenn Geschäfte schließen, aber ich denke, dass wir uns insgesamt keine großen Sorgen um die Speestraße als Handelszentrum des Stadtteils machen müssen. Es kommt immer wieder vor, dass Geschäfte aus den verschiedensten Gründen aufgegeben werden." Ähnlich sieht es Detlev Czoske, rühriger Lintorfer Kommunalpolitiker, der für die Bürger Union im Rat der Stadt sitzt: "Der Handel ist im Umbruch, aber ich denke, dass sich die Leerstände im Stadtteil recht schnell relativieren werden." Eine Möglichkeit für die Politik, hier aktiv zu werden, sieht er nicht: "Die Häuser sind in Privateigentum, und letztlich kann jeder Eigentümer selbst entscheiden, wem er sein Objekt vermietet oder ob er es leer stehenlässt."

Helga Krumbeck verweist auch darauf, dass sich im Stadtteil in den vergangenen Monaten auch einiges getan habe - wie zum Beispiel durch das neue Fischgeschäft auf der Speestraße in zentraler Lage oder der neue Systemgastronom am oberen Ende. Und das sei noch nicht das Ende der Fahnenstange: "Es laufen derzeit einige Gespräche mit Interessenten, die sich in Lintorf ansiedeln wollen. Allerdings ist da noch nichts spruchreif", so die Vorsitzende der Werbegemeinschaft. Schon fest steht dagegen ein neuer Mieter am Konrad-Adenauer-Platz - dort soll in nächster Zeit ein neuer Gemüsehändler einziehen.

Hinter den Kulissen gibt es also viel Arbeit für den Vorstand der Werbegemeinschaft, der auf zwei Wegen versucht, neues Gewerbe im Stadtteil anzusiedeln: "Wir sehen uns sowohl als Ansprechpartner für Vermieter, stehen aber auch für potenzielle Interessenten zur Verfügung. Hier vermitteln wir Ansprechpartner oder stehen mit Rat und Tat zur Seite, damit sich auch neue Gewerbetreibende in unserem Stadtteil etablieren können." Insgesamt gesehen sei Lintorf nach wie vor eine sehr gute Adresse mit einem breiten Angebot.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Lintorf: Hoffen und Bangen an der Speestraße


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.