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Katharina Thoma
"Ich würde jederzeit wieder dorthin gehen"

Ratingen. Die Ratingerin hat ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland absolviert. In Nicaragua arbeitete sie in einem Armenviertel.

Nach einem Jahr in Mittelamerika - haben Sie sich wieder an Deutschland gewöhnt?

Katharina Thoma Ich bin ja schon wieder einige Monate hier, aber es ging an sich recht schnell, sich wieder einzugewöhnen. Zum Beispiel an das Fahren mit der Bahn, sowas gibt es in Nicaragua ja nicht. Oder an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit - das ist dort ganz anders, Zeit hat nicht so eine Bedeutung wie bei uns in Deutschland.

Wie war es denn, als sie in Nicaragua ankamen mit dem Eingewöhnen?

Thoma Ich habe in einem Viertel gewohnt, in dem es nur nachts für einige Stunden fließendes Wasser gab. Das wurde dann für den ganzen Tag in einer Tonne gesammelt, aus der wir uns dann geduscht haben. Auch mit der Elektrizität gab es oft Probleme, Stromausfälle sind da an der Tagesordnung. Aber trotz des Heimwehs am Anfang ging es recht schnell, mich an das Leben dort zu gewöhnen.

Was genau haben Sie überhaupt dort im Rahmen Ihres Freiwilligen Sozialen Jahres gemacht?

Thoma Ich war in Granada, einer Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern, die sehr touristisch geprägt ist, in der es aber in den Vierteln außerhalb der Innenstadt sehr viel Armut gibt. In meinem Projekt ging es vor allem darum, Kindern aus ärmlichen Verhältnissen außerhalb der Schule zu unterstützen. Hauptsächlich ging es darum, die Hausaufgaben mit den Kindern zu machen und ihnen Nachhilfe zu geben. Aber auch spaßige Aktionen wie Basteln waren angesagt. Durch Spendengelder konnten wir sogar Ausflüge wie zum Beispiel in den Zoo finanzieren. Das war für die Kinder und auch für uns ein unheimlich tolles Erlebnis - mit welch verhältnismäßig kleinen Dingen man Freude bereiten kann.

Hat Sie diese Armut nicht belastet?

Thoma Nein, denn trotz allem waren die Menschen dort sehr glücklich und zufrieden, haben Freude ausgestrahlt. Natürlich musste ich schon das eine oder andere Mal schlucken. Wir fahren zum Beispiel bei einem unserer Projektkinder zu Besuch zuhause. Da gab es keinen Teppich oder so etwas, bloß den nackten Estrich. Das war ein komischer Anblick, aber auf der anderen Seite war mir ja von Anfang an klar, wo es hin geht und dass ich die Welt nicht retten kann, sondern bloß einen kleinen Beitrag leiste, damit die Kinder Zugang zu Bildung haben.

Was in Nicaragua nicht selbstverständlich ist?

Thoma Wer Geld hat, der kann auf Privatschulen. Die öffentlichen Schulen sind nicht sehr gut. Ich habe bei der Nachhilfe Aufgaben in Englisch oder auch in Spanisch gesehen, die mit vielen Fehlern gestellt waren. Manche Familien schicken ihre Kinder auch überhaupt nicht zur Schule.

Wie sind Sie überhaupt auf die Idee mit dem FSJ im Ausland gekommen?

Thoma Ich wollte zwischen Abitur und Studium ins Ausland, habe dann von einer Freundin davon gehört, dass es die Möglichkeit gibt, das Freiwillige Soziale Jahr auch im Ausland zu machen. Da habe ich mich beworben, war aber sehr spät dran, so dass ich erst auf eine Warteliste gekommen bin. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass es nicht klappt, als wenige Wochen vor dem Starttermin die Nachricht kam, dass jemand abgesprungen ist. Das wurde dann ziemlich stressig, in so kurzer Zeit alles zu organisieren. Aber es hat ja noch geklappt.

Haben Sie noch Kontakt dorthin?

Thoma Ja, ich schreibe noch mit einigen Leuten aus Granada und besuche demnächst eine andere Ehrenamtliche in Wien.

Würden Sie es noch einmal machen?

Thoma Ich würde jederzeit wieder dorthin gehen, überhaupt keine Frage.

WOLFGANG SCHNEIDER STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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