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Ratingen
Immer mehr unbegleitete Flüchtlinge kommen

Top 10: In diesen NRW-Städten sind Flüchtlinge untergebracht
Top 10: In diesen NRW-Städten sind Flüchtlinge untergebracht
Ratingen. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge - im Amtsdeutsch auch als "UMF" abgekürzt - beschäftigten die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses in seiner letzten Sitzung.

Denn was Holger Waltersdorf, beim Jugendamt federführend in diesem Bereich, zu berichten hatte, lässt nur in Ansätzen erwarten, was da demnächst auf die Stadt zukommt: "Anfangs hieß es, wir sollen pro 5000 Einwohner einen unbegleiteten Minderjährigen zugewiesen bekommen, letzte Woche wurde dieses Verhältnis korrigiert, nun ist es einer auf 1500 Einwohner." Das macht im Moment maximal 62 Personen, doch das Ende der Fahnenstange ist damit noch nicht erreicht, wie Dezernent Rolf Steuwe sagte: "Dabei dürfte es nicht bleiben." Die Stadt ist in der Verpflichtung, diese jungen Leute zu betreuen und unterzubringen. Gar kein einfaches Unterfangen: "Es ist für uns eine sehr schwierige Aufgabe", so Amtsleiterin Dagmar Niederlein.

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

In Turnhallen soll nämlich kein Minderjähriger schlafen. Man versuche gerade, zusammen mit den freien Trägern genügend Plätze zu organisieren. Einer davon ist die Neanderdiakonie, die gerade zwei Wohnungen herrichtet, in denen dann insgesamt sieben Jugendliche unter Voll-Betreuung leben werden. Insgesamt sind derzeit 24 Jungen in der Stadt: "Mädchen hatten wir noch gar nicht", erinnert sich Waltersdorf. Selbst wenn Städte und Träger sich dazu durchringen, Einrichtungen für die jungen Flüchtlinge aufzubauen, stoßen sie schnell an Grenzen, wie Niederlein berichtet: "Ich hatte gerade ein Gespräch mit einem freien Träger, der für solch eine Gruppe Stellen ausgeschrieben hatte. Es gab keine einzige Bewerbung."

Einer ganz anderen Herausforderung musste sich der Ausschuss stellen, als es um ein Jugendzentrum für Homberg ging. SPD-Chef Christian Wiglow war kaum zu bremsen, wollte unbedingt, dass die Verwaltung prüft, ob zum Beispiel das ehemalige katholische Gemeindezentrum als Jugendzentrum in Frage kommt. Steuwe hielt dagegen: "Wir müssen doch erst einmal schauen, ob der Bedarf da ist. Sie haben uns Anfang 2015 den Auftrag gegeben, nach einem Jahr zu schauen, wie die Besucherzahlen im Café du Nord sind. Wir wissen doch noch gar nicht, wie sich die Zahlen entwickeln." Doch Wiglow ließ nicht locker. Erst nachdem klar wurde, dass es jemanden gibt, der auf das Objekt an der Herrnhuther Straße schon viel früher einen Anspruch erhoben hat, ruderte er zurück. Der TuS Homberg hatte 2012 den Wunsch angemeldet, die Räume zu nutzen. Im selben Jahr hatte der Rat die Verwaltung beauftragt, die Machbarkeit zu prüfen. Die SPD setzt sich aber auf jeden Fall weiter für ein Jugendzentrum in Homberg ein.

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai
(wol)
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