| 00.00 Uhr

Ratingen
In den Weiten der Illusion

Ratingen. Der Magische Zirkel verzaubert mit einer Gala mehr als 300 Menschen im Stadttheater. Von Dirk Neubauer

Pause für rund 300 Gäste im Stadttheater - nicht aber für das junge Ratinger Paar Judith und Benjamin. Immer wieder sprechen Menschen die beiden an und bekommen immer wieder diese drei Antworten: "Nein, es war nichts abgesprochen! Nein, wir haben nichts Besonderes gespürt! Nein, wir wissen auch nicht, was da passiert ist!" Dass sich die beiden ein wenig abseits halten, an der Garderobe, nützt ihnen wenig. Denn gerade eben standen sie auf des Zauberers Bühne. Eigentlich hatte Judith gehofft, der Deutsche Meister der Zauberkunst und Magier des Jahres, Luke Dimon, würde an ihr vorübergehen. Von wegen! So wurden Judith und Benjamin Teil seiner Mentalzauberei. Dimon strich Judith mit einer gelben Feder über die Stirn - wie ein Spiegelbild machte Benjamin die Bewegung mit. Von Magiers Hand geführt, sprangen sie zugleich auf; ein Gedanke in zwei durch die Liebe miteinander verbundenen Personen... oder war das alles doch nur ... abgesprochen? "Nein..."

Den Zauberern des Magischen Zirkels Düsseldorf ist am Samstagabend im Vergleich zum Vorjahr ein Kunststück gelungen. Dank der Regie durch Renate Knopf und der Disziplin aller Beteiligten stimmte die Dramaturgie der magischen Galanacht. Nicht mehr klamaukige Abfolge einzelner, mal besserer, mal schlechterer Darbietungen - sondern ein stimmiger Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Minute verblüffte, verwirrte, verzauberte das "hochverehrte Publikum". Das wurde von den Akteuren auf der Bühne durch ganz unterschiedliche Facetten der Magie getrieben. Achim Hollenberg ist Felix, der klassische Zauberer im schwarzen Frack. Mit Wortwitz und brennender Geldbörse hält er das Publikum in Atem. Tempo mit Pointe.

Simone Rau als "Clarice" hingegen baut ihre Oscar-Verleihung Schritt für Schritt aufeinander auf. Man muss schon konzentriert ihr Spiel mit Umschlägen, Namen und scheinbar vorab notierten Votings verfolgen, um am Schluss überzeugt klatschen zu können. Dann folgt eine starke Stunde: klassische Las Vegas Houdini-Show mit den Zaubertrixxern Zig-Zag und dem Ausruf: Eben war der Mann doch noch fest verschlossen in der Kiste. Der ein wenig unheimliche Luke Dimon als gedankenlesender Mentalzauberer und Max Muto, der zu einem lyrischen Vortrag brennende Kerzen pulverisiert, den Mond gen Bühnen-Himmel steigen lässt und statt vieler Einzelteile plötzlich eine schwebende Marionette in der Hand hält.

All das wird von Moderator Thorsten Happel, selbst Mitglied des Magischen Zirkels und Hüter so manch verblüffender Tricks, kongenial miteinander verbunden. Was selten so selbstverständlich gelingt, wie es dahingeschrieben wird. Nach der Pause setzt Professor Albus Dumbledore, der Chef des Magischen Zirkels Detlev Drenker, mit seinem Märchen vom gläsernen Herzen exakt den Akzent, der die Zuschauer aus dem "Wie hat der das bloß gemacht?" während der Pause wieder in die Weiten der Illusion zurückholt. Der vermeintlich zauberbegeisterte Bühnenhelfer Stefan Pütz darf einen Ring verschwinden und wiederfinden lassen. Und dann nimmt die Schau mit den zweiten Auftritten von Luke Dimon und den Zaubertrixxern so viel Fahrt auf, dass sich das Publikum ergibt: Am Ende wird nur noch geschaut und gestaunt. Wer zu einer Gala lädt, setzt sich selbst Ansprüche, die erfüllt werden müssen. Bei der Ratinger Zaubergala ist das mehr als nur gelungen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Ratingen: In den Weiten der Illusion


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.