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Ratingen
In der Künstlerloge ist schon Frühling

Ratingen: In der Künstlerloge ist schon Frühling
FOTO: Blazy, Achim (abz)
Ratingen. Am 30. April feiert einer der kleinsten, wenn nicht der kleinste Ausstellungsraum der Region 10. Geburtstag. Aber erst einmal gibt es farbverliebte Malerei von Karin Jessen. Von Cordula Hupfer

Diese Bilder sind nichts für Eilige. Man muss schon verweilen, sich einarbeiten, um warm zu werden mit der abstrakten, buchstäblich mehrschichtigen Malerei von Karin Jessen. Freimütig legt die Dortmunderin ein Bekenntnis zur eigenen Schaffensfreude ab - "mein Haus platzt aus allen Nähten" - und zur Farbenfreude: "Ich liebe Farben, vor allem Rot." Wer so viel Energie in sich trägt, sucht neue Ausstellungsorte. Ab heute, 19 Uhr, ist es bis zum 24. April die von außen jederzeit einsehbare, nur nach Vereinbarung mit der Ausstellenden geöffnete Künstlerloge (ehemals Pförtnerloge von Calor Emag) am Wilhelmring.

Karin Jessen zeigt dort bevorzugt ihr derzeit liebstes Format, nämlich das ganze Große, wenn auch transportfreundlich zwei- oder dreigeteilt. Man kann es wahlweise als vorfrühlingshaftes Farbfeuerwerk oder als Bilderrätsel betrachten, idealerweise wohl beides zugleich. Man kann hier einen Stift, dort ein Kind, ein Tier entdecken, einen Fuß, aber keine Hand, dafür Ecken und Kanten, Linien und Ebenen. Ihre Bilder könne man nicht erklären, man müsse sie fühlen, sagt Jessen. Wann eines fertig und nicht mehr mit einer weiteren Farbschicht zu versehen ist, weiß nur die Schöpferin, die in den siebziger Jahren Kunst studiert und dann als Lehrerin arbeitete - auch das verbindet sie mit der Malerin Roswitha Riebe-Beicht, die vor zehn Jahren die Loge mit aus der Taufe gehoben hat und derzeit mit der Vorbereitung des Jubiläums beschäftigt ist, zu dem sie einen ganz besonderen Gastkünstler erwartet.

Nicht Gerhard Richter oder Andreas Gursky, aber immerhin den Sohn jenes Architekten, der die Pförtnerloge als Mitarbeiter von Calor Emag einst entwarf und bauen ließ. Er heißt Wolfgang Heyder, lebt in Berlin, hat Kunst studiert und will in Ratingen Zeichnungen zeigen. Zeitgleich zur Ausstellungseröffnung am 30. April wird es im Hotel nebenan einen Sektempfang geben, erzählt Roswitha Riebe-Beicht, als Zeichen einer guten, gewachsenen Nachbarschaft. Die Loge, so schmal und klein sie auch ist, sei ein fester, weithin bekannter Bestandteil des städtischen Lebens geworden ist. Ein schöner Beweis dafür: Post mit der kargen Anschrift "Künstlerloge Ratingen" lande für gewöhnlich in ihrem heimischen Briefkasten.

Blick zurück: Im Mai 2006 war das ehemalige Pförtnerhäuschen am Eingang zum Calor-Carré, einst Teil der Calor-Emag-Verwaltung, zur Künstlerloge geworden - die "Initiative Bildende Kunst" im mittlerweile aufgelösten Ratinger Kulturbund durfte das denkmalgeschützte Häuschen mit der geschwungenen Fensterfront vor dem Relexa-Hotel als Ausstellungsort nutzen. Roswitha Riebe-Beicht hatte bei der LEG, der das Gebäude gehört, Überzeugungsarbeit geleistet. Die Logenkünstler finanzieren seither den Strom, putzen die Fenster und sorgen gelegentlich für einen neuen Innenanstrich. Von der Stadt werden sie dafür derzeit noch mit jährlich 1500 Euro unterstützt, zahlen davon auch den ausstellenden Künstlern (Profis, keine Hobbykünstler) kleine Aufwandsentschädigungen. Einen Wermutstropfen gibt es da allerdings im Jubiläumsjahr: Ab 2017 muss die Loge eine zehnprozentige Etatkürzung hinnehmen - wie andere von der Stadt Geförderte auch.

Quelle: RP
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