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Ratingen
In voller Montur hoch hinaus bis an die Spitze

Ratingen: In voller Montur hoch hinaus bis an die Spitze
Ist das Treppenhaus noch so hoch, Christina Patzer (vorne) und Charlotte Linden kommen auf den Stufen nicht aus der Puste. FOTO: Achim Blazy.
Ratingen. Die beiden ehrenamtlichen Feuerwehrfrauen Christina Patzer und Charlotte Linden siegten beim Kölner Treppenlauf. Von Valeska von Dolega

"Unser Ziel war bloß, oben anzukommen", resümiert Charlotte Linden (24). Zusammen mit ihrer Kollegin Christina Patzer (22) bildeten die beiden freiwilligen Feuerwehrfrauen das Team "Treppenschnecken" und beide kamen beim KölnTurm Treppenlauf nicht nur an. Sie legten die 714 Stufen und damit 132 Höhenmeter in Rekordtempo zurück.

Das Besondere: Besagte Route wird nicht im luftigen Sportoutfit, sondern kompletter Montur absolviert, Atemschutzgerät inklusive. "Allein die Ausrüstung wiegt 20 Kilo", sagt Christina Patzer. "Ich kann es noch immer nicht glauben, dass wir das geschafft haben", blickt sie auf die Siegerzeit. Denn obwohl die Konkurrenz beispielsweise leichte Sauerstoffflaschen aus Aluminium im Gepäck hatten, während die beiden Ratingerinnen sich mit den schwereren Modellen aus Stahl abschleppten, war das Duo nach 13 Minuten und 35 Sekunden am Ziel. Die unmittelbare Konkurrenz trudelte acht Minuten später ein.

"Ein schöner Erfolg", lobt Jan Neumann, bei der Feuerwehr Ratingen unter anderem zuständig für die Ausbildung. Allerdings ist die Platzierung nicht allein ein "tolles persönliches Ergebnis", sie ist auch ein "hervorrangender Leistungsnachweis". Wird nämlich die Feuerwehr zu einem Einsatz im brennenden Hochhaus gerufen, dürfen Fahrstühle aus Sicherheitsgründen nicht benutzt werden - weder von den Hauptberuflern noch den Ehrenamtlern. Also heißt es, so schnell wie möglich mit vollem Gepäck die Etagen herauf zu hasten und am Ziel angekommen leistungsfähig seine Arbeit verrichten zu können. "Neben allem technischem Können ist Sportlichkeit Trumpf", sagt Neumann. Ehrenamtler wie die selbst ernannten Treppenschnecken absolvieren alle drei Jahre einen Gesundheitscheck namens "g26.3", die Atemschutztauglichkeit muss ein Mal jährlich erbracht werden.

"Ohne Sport könnte ich mir mein Leben nicht vorstellen", sagt Christina Patzer. Seit Oktober 2014 ist sie bei der Feuerwehr. "Das ist mein Ausgleich zum Beruf", im dualen System studiert sie Social Management und lässt sich zur Krankenschwester ausbilden. Ähnlich ist die Motivation bei Charlotte Linden, die im August 2012 bei der Feuerwehr Homberg anfing, jetzt in Mitte ist und im Brotberuf als Diplom-Rechtspflegerin arbeitet. "Ich wollte mich vor allem sozial engagieren." Gemeinsam meldeten sich die Frauen zum Köln-Wettbewerb an, "groß trainiert haben wir vorher nicht", sagen beide. Das "individuelle Trainingsprogramm musste ausreichen", das allerdings kann sich sehen lassen, beide sind an fünf Tagen pro Woche radelnd, laufend, schwimmend oder im Kraftraum unterwegs. "Dann sind wir noch ein paarmal durch unseren Turm gerast", betreut von Oberbrandmeister Stefan Germeroth. "Der hat uns wahnsinnig gut unterstützt, vor allem was die Materialwartung angeht." Die Siegermedaille hat einen Ehrenplatz, die "coolen" aus ausrangierten Feuerwehrschläuchen gearbeiteten Siegprämientaschen erinnern bei der täglichen Benutzung - "so hat man immer etwas Feuerwehr dabei" - an den Erfolg.

Auf den Meriten ausruhen wollen die zwei sich nicht. "Aus purem Spaß und weil wir den Kick und die Herausforderung lieben" peilen Christina Patzer und Charlotte Linden das nächste Projekt an. "Toll wäre die Teilnahme am Firefighter Stairrun Berlin. Aber ich glaube, da kommen wir nicht mehr rein", sagen sie über einen Wettbewerb im September. "Aber den Michel rauf und runter, das wär's doch", freuen sie sich auf einen Wettbewerb in der Hansestadt Hamburg. Dort gilt es, "bloß 400 Stufen" zu erklimmen.

Quelle: RP
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