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Heiligenhaus
Integration mitten im Stadtteil fördern

Heiligenhaus: Integration mitten im Stadtteil fördern
Beim Kennenlernnachmittag in der Oberilp zeigte Yassine Boudouar aus Marokko seine Wohnung in der Harzstraße. Sozialarbeiterin Juliane Steinhard unterstützt ihn und andere Flüchtlinge. FOTO: dietrich janicki
Heiligenhaus. 159 Flüchtlinge haben Platz im Hochhaus an der Harzstraße 9. Berührungsängste sollen in der Oberilp mit echter Nachbarschaft überwunden werden. Aus diesem Anlass gab es jetzt ein Stadtteilfest. Von Sandra Kreilmann

Luftballons wiesen am Samstag den Weg zu einem Oberilper Stadtteilfest, das ein ganz besonderes war: Nachbarn begrüßten hier neue Nachbarn. Seit Anfang des Jahres sind in dem Gebäude an der Harzstraße 9 leerstehende Wohnungen von der Stadt angemietet worden; Flüchtlinge leben jetzt hier, mitten im Stadtteil und mit guten Integrations-Voraussetzungen. Dafür arbeiten Stadtverwaltung, der Betreuungsdienst der Bergischen Diakonie und die Bürgergemeinschaft Oberilp hier Hand in Hand. Eine wichtige Säule der Arbeit: die ehrenamtlichen Helfer.

"Dass es zum Beispiel eine Informationsveranstaltung gab, in der Sorgen und Ängste genauso angesprochen werden konnten wie Hilfsangebote, war ein guter Anfang", sagt Wilhelm Busse. Er ist nicht nur in der Bürgergemeinschaft engagiert, der es wichtig ist, die Berührungsängste zwischen den neuen Nachbarn zu nehmen, sondern gehört zu den ehrenamtlichen Lehrern, die den Menschen aus vielen Nationen die deutsche Sprache vermitteln. Kopien und Bücher haben er und seine Lehrkollegen bisher zum Teil auch aus eigener Tasche bezahlt. Spendengelder der Firma Kiekert sollen unter anderem bei Lernmaterialien zum Einsatz kommen (RP berichtete). "Wir machen das gerne", sagt Busse stellvertretend für viele Helfer.

Diese Zusammenarbeit mit Zugriff auf vorhandene Netzwerke der BGO sei eine Besonderheit, betont auch Renate Zanjani von der Bergischen Diakonie. "Man darf nicht vergessen, dass zum Beispiel die Unterkunft an der Ludgerusstraße ganz andere Voraussetzungen hatte. Dort musste alles sehr schnell gehen." Zu den jüngsten Spenden für das Wohnhaus an der Harzstraße gehören weiße Klappstühle von Modenschauen. "Langsam füllt sich hier alles", sagt Zanjani. "Mit einem solchen Fest geht es uns vor allem darum, die Hemmschwelle abzubauen, auf beiden Seiten." Offene Wohnungstüren zeigten, wie es hier wirklich aussieht.

"Als wir die Einladungen zu dem Willkommensfest verteilt haben, haben viele spontan angeboten, selbst noch etwas fürs Buffett mitzubringen", freute sich Busse. Er habe im Stadtteil auch schon eine Pegidafahne gesehen. Für ein Grund mehr, zu helfen: "Es finden sich im Gespräch immer mehr Unterstützer. In der direkten Nachbarschaft hat sich ein Dolmetscher für bestimmte Sprachen gefunden." Dankbar sind die Mitarbeiter, dass im Erdgeschoss des Hauses eine Wohnung zu einem Betreungspunkt geworden ist. Unterrichtsräume und ein Treffpunkt für Mitarbeiter und Ehrenamtler sowie eine Küche und ein Büro wurden eingerichtet: "In diesem Büro soll so oft wie möglich ein Ansprechpartner für die Bewohner zu finden sein. Wenn möglich und durch die Hilfe von Ehrenamtlern, auch am Wochenende", erklärt Zanjani.

Quelle: RP
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