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Ratingen
Junge Talente begeistern im Stadttheater

Ratingen. Das Jugendsinfonieorchester der Musikschule präsentierte sich mit zwei völlig unterschiedlichen Konzertteilen. Von Wolfgang Schneider

Es ist fast so, als schwappe eine Welle über den Zuhörer. Die Streicher branden auf, die Klänge der Bläser türmen sich nahezu haushoch und brechen dann mit einem gewaltigen Klangerlebnis über das Publikum im gut gefüllten Stadttheater hinein.

Und genau in diesem Moment erfasst den Musikliebhaber eine tiefe Ruhe, er wird eins mit dem, was dort auf der Bühne erklingt, lässt sich davon tragen, treibt auf einem wahren Meer von Klängen. Das, was das Jugendsinfonieorchester der Musikschule unter der Leitung von Edwin Pröm präsentierte, war beste Werbung für klassische Musik. Franz Schuberts Sinfonie Nr. 8 - "Die Große C-dur" bot die idealen Voraussetzungen, um die Vielfältigkeit und das Können der Nachwuchsmusiker herauszuarbeiten.

Die Kraft hinter diesem Stück Musik war beeindruckend, nahm das Publikum für sich ein und brannte sich förmlich in die Gehörgänge ein. Es ist nicht einfach, so etwas zu erreichen, aber es klappte. Es gelang Pröm und seinen Musikern nahezu perfekt. Egal ob es die Streicher oder die Bläser (die im zweiten Teil einen viel umjubelten Soloauftritt hinlegten) waren, sie alle liefen in diesem rund 45-minütigen ersten Teil zu wahrer Hochform auf. Fast war man ein bisschen traurig, dass die Pause das Ganze irgendwann beendete. Das hätte noch ewig so weiter gehen können.

Der zweite Teil war dagegen etwas ganz anderes, wenn auch nicht von weniger musikalischem Können und Talent geprägt. Pröm hatte seine musikalischen Fähigkeiten spielen lassen und diverse Stil-Variationen des Dumeklemmer-Liedes "Ratingen, du Stadt am Wald" erarbeitet. Und so erklang das Thema in insgesamt fünf verschiedenen Richtungen. Doch das schien am Ende vielleicht des Guten etwas zu viel gewesen zu sein. Um die ganze Breite dieser von Pröm charmant anmoderierten Interpretationen erfassen zu können, wäre ein bekannteres Lied sicher geeigneter gewesen.

Von den doch bisweilen gewöhnungsbedürftigen Tönen eines Igor Strawinskis über die bombastische Orchestrierung eines Claude Debussy - das Jugendsinfonieorchester spielte glänzend auf und führte sein Publikum in teilweise unbekannte Klangwelten ein. Bei all dem Können, das da auf der Bühne geboten war, schien das Ganze aber dann doch bisweilen etwas in die Länge gezogen, trugen diese Variationen doch nahezu den gesamten zweiten Teil.

Das Problem dabei: Auch wenn Pröm in seiner Anmoderation dazu etwas anderes gesagt hatte, dieses Lied ist eben nicht allen Ratingern bekannt - weder textlich noch von der Melodie.

Und so war es für viele Besucher im Saal nahezu unmöglich, das Dumeklemmer-Thema in den verschiedenen Variationen herauszuhören. Eigentlich schade. Der beeindruckenden Leistung der jungen Musiker tat das keinen Abbruch, sie wurde zurecht mit lang anhaltendem Beifall bedacht - auch von Bürgermeister Klaus Pesch nebst Gattin. Beide hatten es sich nicht nehmen lassen, das Konzert zu besuchen.

Das rund 50-köpfige Ensemble jedenfalls trat einmal mehr den besten Beweis dafür an, dass es Sinn macht, dass sich eine Stadt wie Ratingen auch in Zeiten knapper Kassen eine Musikschule leistet. Denn diese Talente sind wahre Aushängeschilder für die Stadt.

Quelle: RP
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