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Ratingen
Junger Mann arbeitet in der Klinikseelsorge

Ratingen: Junger Mann arbeitet in der Klinikseelsorge
Philipp Sickora absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Medicin Fachklinik Rhein-Ruhr in Essen. FOTO: privat
Ratingen. Philipp Sickora absolviert sein Freiwilliges Soziales Jahr in Essen-Werden und sammelt dabei wertvolle Erfahrungen. Von Valeska von Dolega

Sich für andere einzusetzen und stark zu machen, dort einzuspringen, wo Not am Mann ist, ist für Philipp Sickora normal. Insofern ist es für den Abiturienten bloß folgerichtig, jetzt ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren. Seit Monatsanfang gehört er zum Team der katholischen Klinikseelsorge der Mediclin Fachklinik Rhein-Ruhr.

In Anlehnung an die Ehrenamtlerinnen, die hier bekanntermaßen "Grüne Damen" genannt werden, ist er ein Grüner Herr - allerdings ganz in Blau. Seine Dienstkleidung ist ein mintfarbener Kasack, "den er nicht trägt", wie sein Chef Johannes Westerdick lacht. "Ich bin ja am Namensschild für alle erkennbar", verteidigt er sein Jeans-Outfit. Und obwohl der 19-Jährige erst so kurz im Haus ist, ist er bereits als Gesprächspartner und Helfer gefragt. Wobei er zunächst im Schnelldurchlauf ein Praktikum absolvierte, das ihn mit dem vielfältigen Therapieangebot des Hauses vertraut machen sollte. "Nichts davon habe ich vorher gekannt", sagt er über Ergotherapie, Physiotherapie sowie Sprach- und Schlucktherapie, vom Pflegebereich ganz zu schweigen. "Wichtige Einblicke" bekommt er als FSJler, "nicht nur in verschiedene Berufssparten. Sondern fürs Leben." Was für einen "Knochenjob" Pfleger absolvieren, erkennt man erst, "wenn man es selbst macht". Auch quasi vor Tau und Tag aufzustehen, und das täglich, ist neu. Der Startschuss in der Schule fiel um 8 Uhr, "hier ist Dienstbeginn um 6 Uhr". Damit er pünktlich ist - und davor liegt eine einstündige Busfahrt - klingelt sein Wecker Punkt 4 Uhr. "Ich bin hier, um zu lernen."

"Was ich gut kann ist, mich in andere Menschen hineinzuversetzen", beschreibt er eine seiner hervorstechenden Eigenschaften. Anderen zuzuhören und mit Fingerspitzengefühl neuralgische Punkte zu thematisieren, ist eine weitere Kompetenz. "Letztlich geht es darum, anderen zu helfen, sich selbst zu helfen." In einer Welt, die ja von Tempo und Ergebnisorientiertheit bestimmt ist, sind das Merkmale, die ihn schon "immer im Freundeskreis zu einem beliebten Gesprächspartner" gemacht haben.

Diese zivilgesellschaftliche Aufgabe würde er als solche nie formulieren. Soziale Kompetenz lernte er im Familienverbund, später setzte er die Fähigkeit in der Kirchenarbeit um. "Zuletzt war ich der Leiter der Gruppe der Messdiener." Motiviert durch religiöse Aspekte übernahm er diesen Job. "Erst zögernd - und prompt hat mir das gut gefallen." Auch seine Freizeit gestaltet er gerne mit Freunden und Gesprächen. Es sei denn, er übt Kung Fu - was übrigens in chinesischer Tradition gesprochen der Kampf mit sich selbst ist.

"Seelsorge und katholische Kirche wird ja nicht von allen verstanden oder positiv gesehen", weiß er. Das FSJ will er nutzen, seinen Horizont zu erweitern und einen anderen Blickwinkel auf die Dinge des Lebens zu bekommen. "Ich war früher nicht immer ganz konzentriert bei der Sache. Das übe ich gerade." Eigentlich würde er gerne Psychologie studieren, theoretisch ist er sich "sogar ziemlich sicher", dass ein Beruf in dieser Richtung perfekt für ihn sei. Ob er es schafft, zwar empathisch Probleme anderer wahrzunehmen, sie aber nicht nach Gesprächsende auf der eigenen Seele lasten zu lassen, ist dabei eine "wichtige Frage. Mal sehen ob ich es lerne, so etwas voneinander zu trennen". Er hat auch einen Plan B: "Energiethemen interessieren mich."

Quelle: RP
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