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Restaurierter Kornsturm
Karnevalistisch und historisch ein Schmuckstück

Restaurierter Kornsturm: Karnevalistisch und historisch ein Schmuckstück
Rudolf Mertens demonstriert den absenkbaren Tisch im Erdgeschoß. FOTO: Blazy, Achim
Ratingen. Von außen ist der Kornsturm ein historischer Schatz, von innen eine Klasse für sich. Die Roten Funken haben ihn mit viel Liebe zum Detail herausgeputzt. Von Valeska von Dolega

"Es war eine visionäre Entscheidung", beurteilt Funken-Präsident Michael Droste die vor knapp 30 Jahren getroffene Maßnahme. Damals hatte ein gewisser Heinrich Bohn die Idee aufgebracht, dass die Roten Funken den ziemlich baufälligen Kornsturm von der Stadt übernehmen und zum Hauptquartier für die Ratinger Traditionsgarde aufhübschen.

Die Einweihung des wiederhergestellten Kleinods wurde im Sommer gefeiert. Jetzt könnte ein weiteres Außenprojekt anstehen. Derzeit ist der hölzerne Wehrgang hinter einem Baugerüst versteckt. Ein paar Tage, bevor im Sommer mit einem spektakulären Fest die fabelhafte Renovierungsaktion und Wiedereröffnung gefeiert wurde, stellten die Ämter fest, das hölzerne Ensemble sei wackelig. Dem Vernehmen nach wird jetzt die Statik überprüft – und müsste der Wehrgang tatsächlich den derzeitigen Sicherheitsvorschriften entsprechend neu konstruiert werden, bekäme er auch ein Dach. Denn überdacht war der mittelalterliche Weg ursprünglich, wie Stadtkonservatorin Anna-Maria Voss von den Funken zitiert wird.

Dabei schienen nach 28 Jahren alle Bautätigkeiten vollendet zu sein. Ungezählte Tonnen Schutt, die der später zum Ritter geschlagene und inzwischen verstorbene Bohn als so etwas wie der Urvater der Kornsturm-Renovierung mit unzählig vielen anderen Mitstreitern im ersten und zweiten Bauabschnitt aus besagtem Gebäude geschafft hat, und unmöglich zählbare Stunden später strahlt der Kornsturm nun in neuer Pracht.

Von außen ein historischer Schatz, dem man sein Baudatum anno 1460 – "und nicht wie fälschlich behauptet 1464", wie Funken-Vize Rudolf Mertens in akribischer Kleinarbeit herausfand – nicht ansieht, ist das steinerne Denkmal von innen eine Klasse für sich. "Das Ganze hat eine Stange Geld gekostet", gibt Michael Droste zu Protokoll. Auf etwa 120.000 Euro insgesamt beläuft sich die Investitionssumme, für die es von der Stiftung NRW und der Stadt jeweils 30.000 Euro Zuschuss gab.

Das Obergeschoss des Turms wurde komplett neu gestaltet. "Da oben war gar nichts. Außer Tauben und Dreck", wie sich Rudolf Mertens erinnert. Nun ist hier ein kleines Funkenmuseum entstanden, "in dem alle Möbel genau nach unseren Wünschen und Vorstellungen eingepasst wurden".

Besichtigen Sie den Kornsturm der Roten Funken virtuell

Aber nicht nur die knallrot gepolsterten Bänke, in die gar das Funken-Logo eingestickt wurde, sind edel. Die aus unterschiedlichsten Kellern, Ecken und Dachböden zusammengetragenen Funken-Exponate, die nun an den Wänden und in Schaukästen ausgestellt sind und die Geschichte der Garde erzählen, sind toll anzusehen.

"Meike Müller hatte immer gute Ideen, wie die Dinge in die passenden Rahmen gebracht werden können", sagen die Funken-Chefs über den Einsatz der Kunsthaus-Besitzerin. "Alte Plakate, Karnevalsbuilder und Urkunden, Zeitungsausschnitte und Briefwechsel wurden gesichtet und jeweils passend gerahmt", erinnert Meike Müller sich.

Teils aus Eiche, überwiegend im Funken-Rot und manchmal aus eloxiertem Aluminium hat sie Einrahmungen geschaffen, die die Ausstellungsstücke ansehnlich zur Geltung bringen. Als "konstruktives Miteinander" beschreiben beide Seiten die Zusammenarbeit. Aber es sind noch Schätze übrig, das Platzvolumen an den Wänden ist beschränkt.

"Was die Funken aus dem Turm gemacht haben, ist ein Kleinod", lobt die Nicht-Karnevalistin Meike Müller. "Ein paar Kleinigkeiten", wie Michael Droste sagt, sollen das Innere weiter perfektionieren. Im Untergeschoss prangt jetzt ein postkartenblauer Himmel mit getupften Wölkchen unter der Decke. Hier könnte so etwas wie eine Ehrentafel als umlaufendes Fries entstehen – nicht nur für Ritter Bohn, sondern ebenso "für viele andere Funken. Was wir machen, machen wir gemeinsam. Da wird nie eine Einzelperson herausgehoben."

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