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Ratingen
Karnevalsausschuss vor dem Aus?

Ratingen. Hubertus Brauer will noch ein Jahr Vorsitzender bleiben, Geschäftsführer Jörg Töpfer hat die Brocken hingeworfen. Von Karl Ritter

Es gab persönliche Treffen, unzählige Telefonate und Mailwechsel - alles mit einem Ziel: Dem Skandal um die Wahl des Vorsitzenden des Karnevalsausschusses (KA) ein würdiges Ende zu bereiten. Nachdem wie berichtet der einzige Kandidat Michael Schleicher keine Mehrheit bekommen hatte, entbrannte hinter den Kulissen ein heftiger Streit: "Und der schadet vor allem dem KA selbst, aber auch dem gesamten Ratinger Karneval", so ein langjähriger Kenner der Szene. Nachdem verschiedene Namen gehandelt wurden, scheint aber zumindest klar, wer denn bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung, die demnächst stattfinden soll, den KA-Vorsitz übernimmt: Hubertus Brauer, noch amtierender Vorsitzender, will noch ein Jahr dranhängen, damit genügend Zeit ist, einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Derweil zeigt der KA-Vorstand aber weitere Auflösungserscheinungen. Denn Geschäftsführer Jörg Töpfer, ein Vertrauter Schleichers, trat mittlerweile zurück. Nicht wenige hatten in ihm einen Hoffnungsträger in den verkrusteten Strukturen des KA gesehen, der sehr engagiert und mit vielen Ideen angetreten war. Offiziell ist von Ratingens Obernarren nichts über die Gründe von Töpfers Rücktritt zu erfahren, hinter vorgehaltener Hand wird man aber deutlich: "Er wurde von Alt-Vorstandsmitgliedern als Lügner bezeichnet", heißt es.

Was für das Klima des Misstrauens sprechen würde: Kaum einer aus dem KA-Umfeld traut sich offen, etwas über die momentane Lage zu sagen. Hanno Paas, KA-Ehrenvorsitzender und graue Eminenz des Ratinger Winterbrauchtums, hatte sich eingeschaltet, um die Wogen zu glätten und war vor allem bemüht, eine einheitliche Kommunikation nach außen zu gewährleisten. Denn nach dem überraschenden Aus für Schleicher hatte plötzlich nahezu jeder irgendwelche potenziellen Nachfolger genannt. Zumindest aus Sicht von Paas, der den KA zusammen mit Erich von Gersum und dem bereits verstorbenen Wilfried Schwassmann zu einer wahren Institution gemacht hatte, ist nach außen ein wenig Ruhe eingekehrt. Ob er damit die Zukunft des Ausschusses gerettet hat, steht auf einem anderen Blatt. "Der Ratinger Karneval nimmt durch so etwas Schaden. Und das darf nicht sein, da muss dringend gegengesteuert werden", sagt zum Beispiel Heinz Hülshoff, langjähriger Vorsitzender der Prinzengarde Rot-Weiß. Dass das auch andere närrische Größen so sehen, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Und so soll es erste informelle Gespräche gegeben haben, einen neuen Verein zu gründen, der zum Beispiel Rosenmontagszug oder Prinzenkürung veranstaltet. Schade ist dabei vor allem eines, wie Hülshoff sagt: "Wir haben ein tolles Prinzenpaar mit einem sehr engagierten Schirmherrn. Und genau in dieser Session muss es dann solchen Ärger geben." Ob er selbst sich ein Engagement im KA oder in einem neuen Verein vorstellen kann? "Mir liegt der Ratinger Karneval am Herzen, er ist mein Zuhause. Wer letztlich handelt, ist nicht so wichtig. Hauptsache, der Spaß am Karneval rückt wieder in den Vordergrund."

Quelle: RP
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