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Heiligenhaus
Kiekert: China war mutig und richtig

Heiligenhaus: Kiekert: China war mutig und richtig
Der Kiekert-Vorstandsvorsitzende Dr. Karl Krause im Jahre 2008 mit Wang Jiankang, dem Bürgermeister der chinesischen Millionen-Metropole Changshu. Dort hat Kiekert ein neues Werk eröffnet. FOTO: Achim Blazy
Heiligenhaus. Der Automobilzulieferer antwortet mit Globalisierung und technischen Innovationen auf den Preisdruck der Branche. Von Stefan Mülders

Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden 75 Prozent des globalen Wachstums im Automobilmarkt auf Asien entfallen, da sind sich die Experten der Branche sicher. Weitere 20 Prozent entfallen auf die NAFTA-Region (Mexiko, USA, Kanada). "Da bleibt für Europa nicht mehr viel Wachstum übrig", sagt Dr. Karl Krause, Vorstandsvorsitzender der Kiekert AG mit Hauptsitz in Heiligenhaus. Das grundsätzliche Stimmungsbild auf dem Automobilmarkt sei positiv, auch in 2014 waren Nordamerika und Asien die Wachstumstreiber.

"Vor acht Jahren war es noch ein mutiger Schritt von uns, nach China zu gehen. Aus heutiger Sicht war er goldrichtig und überlebensnotwendig." Als Marktführer, der das bleiben wolle, müsse man dorthin gehen, wo die Kunden sind. Im Falle von Kiekert sind das die weltweiten Automobilhersteller, die allesamt neue Werke vor allem in China aufbauen. Neben den reinen Produktions- und Lohnkosten sind Kursschwankungen in den Währungen, Einfuhrzölle und andere Handelshemmnisse wichtige Argumente dafür, die Produktion ins Ausland zu verlagern. Auf dem automobilen Markt sind es darüber hinaus Modellreihen, die nur in bestimmten Regionen "funktionieren". So lassen sich in Deutschland beispielsweise mehr Kombis verkaufen, in China sind Fahrzeuge mit Stufenheck beliebter.

Diesem Druck der Globalisierung folgt auch die strategische Ausrichtung bei Kiekert. Das Werk in Tschechien wurde als wichtigster europäischer Produktionsstandort erst kürzlich weiter ausgebaut, auch die eher kleine Produktion in Detroit, dem Standort für einige Ford-Modelle, wurde erweitert und modernisiert. Puebla/ Mexiko ist seit inzwischen 20 Jahren wichtigster Standort für den nord- und südamerikanischen Markt. Auch hier wurde die bereits hochwertige Ausstattung noch weiter modernisiert. Mit lokalen Dependancen für Entwicklung und Vertrieb ist das Unternehmen in Japan, Korea und Brasilien vertreten. Aufgrund der allgemeinpolitischen Lage konnten die Erwartungen an das vor gut einem Jahr eröffnete Werk in Russland noch nicht erfüllt werden. "Wir werden aber auch hier nicht an unserer grundsätzlichen Entscheidung rütteln", sagt Krause. "Es gilt, abzuwarten, wie sich die politische Situation weiter entwickelt." Als strategische Kiekert-Ziele für die kommenden Jahre sieht Krause - neben dem chinesischen Markt - die japanischen und koreanischen Fahrzeughersteller. Neben dem Weg ins Ausland ist Innovation die zweite Antwort auf die Globalisierung. "Wir brauchen eine schlagkräftige Entwicklung, neue Produkte und Ideen", sagt Krause. Und dabei spielt der Standort Heiligenhaus die herausragende Rolle. Als Denk- und Technologiezentrum werden von hier aus alle Weiterentwicklungen im globalen Unternehmensverbund gesteuert. Von weltweit fast 400 Ingenieuren und Technikern arbeiten 220 in Heiligenhaus. Mitarbeiter aus dem asiatischen Raum sind dabei auf alle Standorte verteilt. "Es reicht nicht, die Technologie zu entwickeln. Sie müssen sie auch den Mitarbeitern vor Ort verständlich machen können. Darum haben wir schon früh begonnen, Fachkräfte aller Nationen in unser Unternehmen zu integrieren und sie an allen Standorten einzusetzen."

Heiligenhaus wird auch langfristig vor allem als Technologiezentrum eine weltweite Rolle spielen. Als Produktionsstätte wird die Zentrale langfristig an Bedeutung verlieren, aber nicht komplett wegfallen.

"Von jährlich rund 14 Millionen Autos deutscher Hersteller werden nur etwa vier Millionen in Deutschland produziert. Darauf brauchen wir als Zulieferer Antworten." Dennoch stützt Kiekert weiter auch seinen deutschen Produktionsstandort in Heiligenhaus. "Manchmal auch entgegen wirtschaftlich besserem Wissen und trotz enormen Kostendrucks", so Krause.

Quelle: RP
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