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Ratingen
Kinder in der Arrestzelle - aber bitte mit Schlüssel

Ratingen: Kinder in der Arrestzelle - aber bitte mit Schlüssel
Im 25 Meter langen Schießkeller lernen die Beamten auch, wie man Störungen an den Waffen beseitigen kann. FOTO: Blazy Achim
Ratingen. Bei der RP-Sommertour besichtigten Mädchen und Jungen gestern die Kreispolizeibehörde in Mettmann. Von Oliver Wiegand

Noch vor wenigen Stunden hat ein junger Mann in der Arrestzelle randaliert und die Polizisten bespuckt. "Aber den Straftäter haben wir eben nach Wuppertal gebracht, gleich könnt ihr gucken, wie so eine Zelle von innen aussieht", sagt Polizei-Sprecher Ulrich Löhe. Die Rheinische Post hatte Kinder im Grundschulalter eingeladen, die Kreispolizeibehörde in Mettmann zu besichtigen. Hinter und unter dem 2005 eröffneten prachtvollen Glasbau verbirgt sich viel mehr, als man von außen erahnen mag.

Rund eine Stunde haben die Kinder mit ihren Eltern Zeit, auf Entdeckungstour durch das Gebäude zu gehen und viele Fragen zu stellen. Natürlich unter Aufsicht von Ulrich Löhe und dem Bezirksbeamten Frank Lietzow. Manchmal müssen Kinder und Eltern auch mal etwas schneller gehen. Wenn man die Türen zu lange aufstehen lässt, geht in der Zentrale nämlich ein Alarm los.

Na klar, im VW-Bus der Polizei wollten alle Teilnehmer mal sitzen. Erschreckend laut wurde es, als das Martinshorn auf einmal losheulte. FOTO: Blazy Achim

Alarm gibt es auch bei der Allgemeinen Verkehrskontrolle. Die Kinder dürfen den Schießstand im Keller des Gebäudes besichtigen. Aus bis zu 25 Meter Entfernung können die Beamten dort versuchen, mit ihren Waffen zu treffen. Auf einer Leinwand werden Filme eingespielt, die aus dem Alltag der Polizeibeamten stammen könnten. Ein solcher Film läuft gerade. Ein junger Mann steigt aus dem Auto aus. In der Hand hält er einen Gegenstand. Was das für ein Gegenstand ist, kann man auf den ersten Blick nicht erkennen.

Wenig später wird klar, was der junge Mann vorhat. Auf einmal beginnt er zu schießen. "Jetzt hätten auch die Polizisten schießen dürfen", erklärt Ulrich Löhe. Wie sie ihre Waffe schnell ziehen und schussbereit machen, lernen die Polizisten beim Schießtraining. Bei diesem Training sind die Waffen allerdings gelb, das heißt nicht schussfähig. Die Beamten lernen, wie man kleinere Störungen beseitigt. Eine der wichtigsten Regeln: Mit dem Handballen fest von unten auf das Magazin schlagen. Das kann den Verschluss dazu bewegen, wieder nach vorne zu springen, erklärt ein Ausbilder.

Verschlossen sind normalerweise auch die Arrestzellen. "Hier wird keiner länger als einen Tag festgehalten", sagt Frank Lietzow, dann muss der Richter entscheiden, ob er da bleibt, anderswo hinkommt oder frei gelassen wird. Die Zellen sind gekachelt und blank gewienert. Inschriften wie "Kalle was here" sucht man vergeblich. Als Einrichtung gibt es nur eine Matratze und ein Klo. Sieht unzerstörbar aus. "Ganz schön unheimlich hier", sagt Carina Rösler, die heute mit Mia, Paul und Lucas aus Alt-Erkrath gekommen ist.

Wenn die Gefangenen randalieren, können sie in einer Zelle ans Bett gefesselt werden. "Das müssen wir aber nur selten machen", erzählt Frank Lietzow. Einmal die Handschellen anlegen, das wollen die Kinder aber schon gerne selbst probieren. In einer Gemeinschaftszelle, in der schon mal größere Gruppen von randalierenden Fußballfans untergebracht werden, werden die Kinder kurz mal eingeschlossen. Durch die milchigen Fenster aus Panzerglas ist von draußen nichts zu sehen.

"Bekommen die auch Essen hier?", möchte der kleine Paul wissen. "Na klar, das steht ihnen ja zu", sagt Lietzow. Die Polizisten holen die Mahlzeiten aus dem Evangelischen Krankenhaus. Für Muslime ohne Schweinefleisch. Trotzdem sind alle Kinder froh, als es wieder nach oben geht.

Ein VW-Bus - noch im altmodischen Grün foliert - ist für die Mädchen und Jungen die Krönung. Alle lachen und erschrecken sich, als auf einmal das Martinshorn angeht und das Blaulicht aufleuchtet. Alle Kinder wollen gleichzeitig im Bus sitzen, die Eltern machen Fotos mit ihren Handys. So ein Bus ist schon spannend, aber noch viel besser finden die meisten Kinder das Polizeimotorrad. Wirklich alle wollen sich auf die mehr als 30 000 Euro kostende BMW setzen. Im Keller stehen mehr als zehn Stück davon, und eine BMW hat eine ganz besondere Ausstattung. Mit einer versteckten Kamera werden Raser gefilmt. "Die merk ich mir", sagt ein Vater, aber Frank Lietzow winkt ab. "Wenn die hinter Ihnen ist, die erkennen Sie garantiert nicht", sagt der Bezirksbeamte. "Ich hoffe, ihr kommt mal wieder", sagt Löhe. Aber freiwillig.

Quelle: RP
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