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Ratingen
Kinder tasten sich an die Welt der Musik heran

Ratingen. Ivan mochte gar nicht aufhören. Immer wieder fand er auf den weißen Tasten ein Thema, blieb dann dabei, variierte etwas. Zwar waren da auch ein paar misslungene Töne. Doch die beiden fürs Klavier zuständigen Musiklehrer - Alfred Pollmann und Ulrike Grützner-Sökefeld - nickten anerkennend. Erstkontakt mit dem Instrument gelungen - ob eine Leidenschaft daraus wird, muss sich erweisen. Am Samstag klang das Haus der Musikschule an der Poststraße mehr als drei Stunden lang: "Do-Re-Mi-Fa...". Zum Tag der offenen Tür kamen mehrere Hundert Kinder mit ihren Eltern, um erstmals ihr Lieblingsinstrument auszuprobieren, mit anderen im Chor zu singen oder etwas über die musikalische Früherziehung zu erfahren. "Es ist ganz schwierig, einen solchen Tag der offenen Tür zu bilanzieren", sagte Musikschulleiter Paul Sevenich unserer Zeitung. Denn manchmal verwandelt sich ein Besuch erst nach vielen Monaten in eine Anmeldung. Am Samstag waren sämtliche Gänge immer gut gefüllt - der Leiter der Musikschule mit rund 1700 Lernenden sah es mit Freude. Abgänge müssen rechtzeitig durch neue Interessenten ausgeglichen werden. Von Dirk Neubauer

"Durch das G8-Turboabitur sind Kinder unter Druck", weiß Sevenich. Das Erlernen eines Instruments gehört nicht mehr zur Schul- und Jugendzeit dazu. Zudem möchten nicht alle Eltern ständig daran erinnern, dass auch noch für die Musikschule geübt werden muss. Dabei sind Ausdauer und Disziplin Eckpfeiler für alle, die ein Instrument beherrschen wollen. Allein mit den 25 Minuten Unterricht pro Woche lässt es sich in keinem Fach zur Meisterschaft bringen.

Zunächst einmal aber geht es darum, ein Kind für ein Instrument zu begeistern. Bei Frank Düppenbecker im Bläserraum kommt ein kleines Mädchen nach vorn. Zunächst gibt er ihr das Mundstück eines Waldhorns und den entscheidenden Tipp: "Einfach mit den Lippen pupsen, ganz laut." Das Mädchen hat verstanden und entlockt dem Horn einen Ton, der die Eltern aufschauen lässt. Und auch aus der Trompete kommt mehr raus als ein Krächzen. Die Mutter fragt: "Ist sie nicht zu jung für Blasinstrumente?" "Nein, bis die beiden dauerhaften oberen Schneidezähne stehen, können wir spielerisch üben - mit Schläuchen zum Beispiel."

Am Schlagzeug im Nebenraum haut derweil Gregor aufs Fell, das seine Begeisterung bis in die Magengrube spürbar ist. Pädagoge Peter Baumgärtner hat sich für die drei Stunden in weiser Voraussicht Ohrstöpsel mitgebracht. Mit einem lautlosen E-Schlagzeug zu beginnen, hält er dennoch für den falschen Weg. "Da muss man dann hinterher zu viel korrigieren. Ich rate, am klassischen Schlagzeug zu lernen."

Quelle: RP
 
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