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Hösel
Klatsch und Tratsch im Museum

Hösel: Klatsch und Tratsch im Museum
Das Lafayette-Fotoatelier lichtete in seinen besten Zeiten die Hautevolee ab und wurde für seine fotografische Arbeit ausgezeichnet: links Lady Wolverton als Britannia, rechts Daisy Fürstin von Pless als Königin von Saba. Beide Fotos entstanden 1897. FOTO: the Lafayette Collection of Photographs
Hösel. Das Oberschlesische Landesmuseum zeigt ab 26. Juli historische Fotografien des europäischen Hochadels bei einem opulenten Kostümball. Von Valeska von Dolega

Wer wissen will, was es von den Reichen und Schönen Neues gibt, begibt sich auf den Boulevard der Eitelkeiten und schaut sich Hochglanzbilder in entsprechenden Illustrierten an. Oder geht ins Museum. Das Oberschlesische Landesmuseum (OSLM) auf der Bahnhofstraße bietet mit seiner Ausstellung von "Kleopatra bis Nelson" einen ganz besonderen Beitrag. Gezeigt werden knapp 50 Fotografien des europäischen Hochadels. Allerdings nicht von aktuellen Schlagzeilenlieferanten wie den Grimaldis und Konsorten. Sondern aus der Zeit, als der Beruf des Paparazzo noch nicht erfunden war und man sogenannte Promis nicht inflationär beim Einkauf zeigte.

"Gezeigt werden Bilder, die auf dem Devonshire House Ball entstanden", wie Melanie Mehring vom OSLM sagt. Der wurde 1897 zu Ehren des diamantenen Thronjubiläums der Königin Victoria gegeben. "Eingeladen war die Hautevolee", weiß sie, etwa 300 Hochwohlgeborene tummelten sich auf dem Fest. Unter ihnen Edward VII, jener Sprössling des britischen Königshauses, der später durch eine sagenhafte Beziehung zu einer gewissen Wallis Simpson und einen noch sagenhafteren Thronverzicht von sich Reden machte.

"Er hat sich anlässlich des Kostümballs als Großmeisters des Malteserordens zurechtgemacht", beschreibt Mehring das imposante Bild, das nun in der Schau zu sehen ist. Ein aufwendig bestickter Mantel mit überdimensioniertem Maltester-Kreuz schmückt ihn, dazu trägt der Prinz einen Riesenhut mit noch größerer Feder. Ein typisches Outfit für einen solchen feierlichen Anlass, wie Mehring sagt, "jedwedes Kleidungsstück ist opulent mit Diamanten und Perlen übersät. Da hat sich wirklich keiner lumpen lassen."

Auch Winston Churchills werte Frau Mutter ist auf einer der 40-mal-50-Zentimeter-Abbildungen zu sehen. Sie hatte sich als Kaiserin Theodora von Byzanz zurechtmachen lassen. Jedes Bild erzählt eine eigene Geschichte. "Nicht nur wegen der Verkleidung" ausführlich betextet erklären die jeweiligen Bildunterschriften viel von dem, was heute "Juicy gossip" genannt wird. So wie beim Großfürst Romanow, der seine offizielle Italienreise genutzt hatte, um sich dort heimlich zu vermählen. Und war das nicht schlimm genug, heiratete er auch noch unstandesgemäß. "Deshalb durfte er nicht zurück nach Russland, sondern lebte fortan in England." Und war einer der Gäste besagten Devonshire House Balls, anno 1897. Dokumentiert hat dieses wunderbare Fest das Lafayette-Fotostudio mit einem mobilen Atelier. Und so ist die Ausstellung natürlich nicht bloß ein Potpourri fantasievoller Verkleidungen. Die einzelnen Bilder sind Zeitdokumente einer Epoche, in denen jedes einzelne Abbild eine besondere Inszenierung war. Damals wurde nicht wild drauflosgeknipst und dann aus einem digitalen Speicher gelöscht. Damals waren Abzüge eine Kostbarkeit, Negative in Form von Glasplatten und aus Celluloid übrigens auch. Das 1880 in Dublin gegründete Lafayette-Fotoatelier lichtete in seinen besten Zeiten die Hautevolee ab und wurde mit vielen Preisen für exquisite fotografische Arbeit ausgezeichnet. Eines der Lieblingsmotive von Firmengründer Janes Lafayette war Fürstin Daisy von Pless (einst Oberschlesien, heute Polen), Gräfin von Hochberg und Freifrau zu Fürstenstein, das hübscheste Gesicht des europäischen Hochadels und umschwärmter Mittelpunkt aller Festivitäten. Wie bei jenem House Ball, zu dem Daisy als Königin von Saba in einer atemberaubenden Kostümierung erschien. Die Fotografien vermitteln ein glanzvolles Bild von Orient und Okzident und der noblen britischen Gesellschaft, sagt Melanie Mehring. Dazu werden von britischen Studenten nachgeschneiderte Kostüme der Zeit präsentiert, darunter ein für Kinder taugliches Pagenkostüm sowie ein prachtvolles Kleid, das einer Prinzessin würdig ist.

"Von Kleopatra bis Nelson" ist übrigens die zweite Ausstellung des OSLM, die in Zusammenarbeit mit dem Victoria & Albert Museum, London, entstanden ist. Die Briten sind die Verwalter jener berühmten Lafayette-Glasplattennegative.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 26. Juli, um 15 Uhr eröffnet. Um 16 Uhr gibt es eine Führung.

Quelle: RP
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