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Heiligenhaus
Klaus Biehler schreibt Schulgeschichte

Heiligenhaus: Klaus Biehler schreibt Schulgeschichte
Der pensionierte Rektor Klaus Biehler im Schulzimmer des Museums Abtsküche. An gleicher Stelle war die alte Heiligenhauser Volksschule seine eigene Wirkungsstätte. FOTO: Blazy
Heiligenhaus. Nach dem Reformpädagogen Jakob Muth wird eine Straße auf dem Campus benannt. Klaus Biehler, selbst pensionierter Rektor, erinnert sich an den beruflichen Weggefährten. Muth gilt als früher Vordenker der Inklusion.. Von Sandra Kreilmann

Lehren ist ein flexibler Vorgang, denn jeder Schüler lernt anders. Einer, der das schon früh gewusst und vor allem umgesetzt hat, war Professor Dr. Jakob Muth. Er wurde 1927 Rheinhessischen geboren und zog er in seiner zweiten Lebenshälfte nach Heiligenhaus. 1960 wurde er zunächst als Dozent, später als Professor an die damalige evangelische Pädagogische Akademie Kettwig, Ursprung und Vorläuferin der heutigen Universität Duisburg, berufen. "Er hat sehr gerne in Heiligenhaus gelebt", weiß Weggefährte und Lehrerkollege Klaus Biehler. "Hier entstanden zahlreiche seiner Beiträge für Fachzeitschriften. In ihnen zeigen sich seine geschliffene Sprache, seine wissenschaftliche Kompetenz und seine grundlegenden Forschungsergebnisse. Für seine Schüler hat der erfolgreiche Lehrer sogar eine Fibel herausgebracht." Während seiner "Kettwiger Zeit" verbrachten seine Studenten das vom Land geforderte einmonatige Praktikum an den Heiligenhauser Landschulen "Adolf-Clarenbach" und "Abtsküche". Biehler erinnert an physikalische Experimente mit Ballonen, die die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit helfenden Studierenden durchführten. Es wurden Ballons gefüllt und abgeschickt. Angehängt war eine Absenderadresse - "Wir hatten Glück", es gab Rückantworten der Finder. Zum Beispiel aus der Nähe von Osnabrück. Schülerin Hannelore antwortete einem der Finder per Brief. Doch sie stellte fest, dass die Hintergründe des Fundes, wie auch die physikalisch-chemischen Vorgänge, die die Schüler unternommen hatte, nur unzureichend beschrieben seien und schrieb einen neuen Brief. "Das seien Momente, die in für den Lehrenden nicht planbar sind. Planbar ist auch nicht, dass eine Schülerin nicht den Füllfederhalter mutlos hinwirft und einen Sachverhalt richtigstellt", gibt Biehler die Worte Muths wieder.

Muth saß für die SPD im Heiligenhauser Rat und eines seiner großen Anliegen war die Errichtung einer Gesamtschule in Heiligenhaus. Eine Diskussion, die bereits 1966 begann und die er 1971 mit dem Konzept einer "dezentralen Gesamtschule" fütterte und in einem Buch beschrieb. Der Rat entschloss sich aber erst 1992 zu einem Beschluss für die Errichtung einer Gesamtschule. Gerade im Fachbereich der Inklusion nimmt Jakob Muth eine Vorreiterrolle ein. Seit 2009 zeichnet deswegen auch der "Jakob-Muth-Preis" Schulen aus, die inklusive Bildung beispielhaft umsetzen und so allen Kindern die Möglichkeit eröffnen, an hochwertiger Bildung teilzuhaben und ihre individuellen Potenziale zu entwickeln.

Muth selbst schrieb dazu in "Der pädagogische Takt": "Der taktvolle Lehrer versucht der Individualität des einzelnen Kindes und seinen eigenen besonderen Anlagen in Individualbesorgung gerecht zu werden, dadurch kann er die Verletzung des Kindes vermeiden." Dafür sei wichtig, dass der Pädagoge mit dem individuellen Umfeld der Schüler vertraut ist, aber auch die Fähigkeit hat, vorhandene Kompetenzen für die gestellten Aufgaben richtig einzuschätzen.

Quelle: RP
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