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Niederberg
Klinikum: Verkaufsgegner organisieren sich

Niederberg: Klinikum: Verkaufsgegner organisieren sich
Die Interdisziplinäre Notaufnahme war vorerst eines der letzten Großvorhaben, die das Klinikum realisieren konnte. FOTO: achim blazy
Niederberg. Bürgerinitiative gegen Privatisierung des Klinikums Niederberg gegründet. Eignerstädte entscheiden am Jahresende. Von Paul Köhnes und Wolfgang Schneider

Der Widerstand formiert sich langsam, aber sicher: "Unser wichtigstes Ziel ist es, die Zukunft des Klinikums Niederberg als kommunales Krankenhaus zu sichern", erklärt André Volmer, Vorsitzender des Betriebsrates am Klinikum Niederberg. Denn nicht nur weite Teile der Belegschaft haben ein ungutes Gefühl bei den Plänen, das Haus eventuell an einen privaten Investor zu verkaufen. Auch in der Velberter Kommunalpolitik ist die Diskussion mittlerweile angekommen. Eine Bürgerinitiative hat sich diese Woche formiert.

Klinik-Geschäftsführerin Astrid Gesang beurteilt die Situation so: "Das war abzusehen." Immerhin vertreten im Klinikum vier Gewerkschaften die Interessen der Mitarbeiter. Das sind: Verdi, der Marburger Bund, Komba und die Gewerkschaft der IG Bau für die Gebäudereiniger, die für das Klinikum arbeiten - organisiert in einer Tochtergesellschaft.

Gesang ist allerdings nicht bei dieser gelassenen Einschätzung stehengeblieben. In einem internen Mitarbeiter-Rundschreiben der Chefetage an alle Mitarbeiter ist von "Gerüchteküche" die Rede. Das Schreiben liegt unserer Redaktion vor. Es sind konkret drei "Gerüchte", denen das Schreiben energische Dementis entgegensetzt. Gerücht Nummer eins: Es ist bereits ein Käufer für das Klinikum gefunden. "Falsch!" So lautet die Antwort der Geschäftsleitung. "Es ist ausdrücklich noch kein Käufer oder strategischer Partner für das Klinikum Niederberg gefunden." Es werde allerdings ein "strategischer Partner" im Rahmen eines strukturierten Bieterverfahrens gesucht. Dieses Verfahren läuft bis Dezember, vorher stehen keine Entscheidungen an.

Gerücht Nummer zwei: Das Klinikum Niederberg wird verkauft. Auch das ist verkehrt, sagt die Geschäftsleitung. Das Bieterverfahren halte lediglich "alle Möglichkeiten einer strategischen Partnerschaft offen". In Frage komme auch eine anteilige Partnerschaft. Zeitgleich werde nachgerechnet, ob eine "Finanzierung aus eigener Kraft" also aus den Velberter und Heiligenhauser Stadtkassen, machbar wäre.

Die beiden Städte sind über den Zweckverband Klinikum Niederberg Eigner des Krankenhauses. Vor große Probleme hat sie, wie bereits mehrfach berichtet, ein bautechnischer Befund gestellt. Im Bau, der aus den 70er Jahren stammt, ist offenbar vielerorts asbesthaltiges Baumaterial verwendet worden. Das ist so lange kein Problem, wie keine umfangreichen Bauarbeiten stattfinden. Genau die aber waren im Rahmen eines Baumasterplans auf mehrere Jahre hin vorgesehen. Der liegt längst auf Eis.

Gerücht Nr. 3: Mitarbeiter müssen sich neue Job suchen. Auch hierauf antwortet das interne Rundschreiben. Kommentar: "Erst nach Abschluss der beschriebenen Verfahren ist klar, wie und gegebenenfalls mit welchem Partner das Klinikum die Zukunft bestreiten wird." Erhalt von Standort und Arbeitsplätzen sei "wesentlicher Bestandteil" aller Entscheidungen.

Quelle: RP
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