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Stadthalle
Konzertchor singt heute die "Schöpfung"

Stadthalle: Konzertchor singt heute die "Schöpfung"
Der Konzertchor hat keine Scheu vor den Elefanten der Musikgeschichte. Heute Abend will er mit Haydn's Großwerk brillieren. FOTO: blazy
Ratingen. Bei der Uraufführung der "Schöpfung" von Josef Haydn vor mehr als 200 Jahren war ein Chor mit gut 60 Sängern am Werk - genau, wie es am heutigen Samstag sein wird, ab 19 Uhr in der Stadthalle. Der Konzertchor Ratingen und die Instrumentalisten der "Sinfonietta", dazu die renommierten Solisten Sabine Schneider (Sopran), Dino Lüthy (Tenor) und Jens Hamann (Bass) werden unter dem Dirigat von Thomas Grabisch ohne Zweifel ein besonderes Prachtwerk aus Tönen in der Stadthalle vortragen.

Es ist mit der musikalischen Abbildung der Genesis immerhin ein zutiefst religiöses Stück, das den Chor mit monumentalen Passagen einsetzt. Das Orchester wiederum spielt häufig ohne Gesangsbegleitung, vor allem in Tonmalerei-Episoden: Aufgang der Sonne, Erschaffung der verschiedenen Tiere und in der Ouvertüre, Beschreibung des Chaos vor der Schöpfung. Auch die Akustik der Stadthalle, die schließlich für allerlei unterschiedliche Darbietung reichen muss, passt letztlich doch.

Natürlich schwebt Thomas Grabisch, Professor an der Robert-Schumann-Musikhochschule und seit anderthalb Jahren Chorleiter in Ratingen, immer irgendwie die wirkliche Perfektion vor. Aber mit vertretbaren Abstrichen können er und seine Sängerinnen und Sänger gut leben. Dass die Mitgliederzahl des Chors auf 70 - und das mit steigender Tendenz - angewachsen ist, zeigt ohnehin, dass in dem Chor Freude und Engagement regieren. Zweimal im Jahr will der Konzertchor Ratingen mit einer großen Aufführung an die Öffentlichkeit treten. Das bedeutet, dass schon am Tag nach dem großen Konzert die Noten für das nächste verteilt werden: Am 21. Oktober soll das prachtvolle Verdi-Requiem zu hören sein. Und auch dann werden die Solisten erste Sahne sein - immerhin verfangen sich große Stimmen gottlob gern in engmaschig geknüpften Netzen - man kennt sich in der Szene. Und da ist ein Chorleiter, der einerseits an einer Hochschule mitten im Getümmel steht, andererseits mit etlichen Sängern, Sängerinnen, mit solistischen Instrumentalmusikern und orchestralen Gemeinschaften zusammengearbeitet hat, wahres Gold wert.

Verdis "Messa da Requiem" ist, ebenso wie die "Grand Messe des Morts" von Berlioz und "Ein deutsches Requiem" von Brahms, eine Totenmesse, die nicht mehr für den liturgischen Gebrauch, sondern allein für konzertante Aufführungen geschrieben wurde.

Thomas Gabrisch leitet einen weiteren Chor in Hochdahl. In Ratingen probt er montags mit allen Sängerinnen und Sängern, donnerstags dann noch einmal mit einzelnen Stimmen. Wenn dann nach dem Wochenende das Requiem auf der Agenda steht, werden die Chormitglieder nicht nur von der überwältigenden Musik angeregt, sondern auch noch von einem geplanten Aufenthalt an der Amalfiküste im Land, wo die Zitronen blühen. Dort, im Mezzogiorno, kann man dann - während bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt - die beste Oper Verdis einstudieren. So der ironisch gemeinte Name des Requiems.

Gabriele Hannen

Quelle: RP
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