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Ratingen
Krakauer Minoriten seit 30 Jahren in der Stadt

Die Krakauer Minoriten
Die Krakauer Minoriten FOTO: Blazy Achim
Ratingen. Die Geschichte des Minoritenklosters ist lang und spannend. Und die Patres aus Krakau spielen dabei eine besondere Rolle - und zwar seit 1986. Von Gabriele Hannen

Nach dem 30-jährigen Krieg war Ratingen arm und brauchte Geld. Da ließ man sich Zeit mit Wohnstätten für kirchliche Kreise. Dennoch existierte im 17. Jahrhundert im Stadtzentrum von Ratingen für etwa sechs Jahrzehnte ein Minoritenkloster, das 1803 bei der Säkularisation in Staatseigentum überging. Damals hatten die Minderbrüder - die Minoriten - zuerst eine Wohnung an der heutigen Oberstraße, die sie mit Unterstützung des Landesherrn mit einem stattlichen Gebäude tauschen konnten, das dann an der Ecke Minoritenstraße/Lintorfer Straße errichtet wurde und heute die Volkshochschule und zwei Kinos beherbergt. Ganz im Gegensatz zu den großen, nicht einmal immer prächtigen Klöstern - wie die der Zisterzienser in Frankreich (Senanque, mitten im Lavendel und noch heute von Patres bewohnt, und Fontenay, privat genutzt und Weltkulturerbe) - entstand eben mitten in der Stadt Ratingen ein bescheidenes geistliches Haus.

In einer Kirche, die stark auf politische Macht und wirtschaftlichen Reichtum gestützt war, begannen hier junge Menschen ein Leben in freiwilliger Armut und bewusster Einfachheit. Anders als zum Beispiel die Benediktiner lebten sie nicht von eigenen Länderen oder handwerklichen Betrieben, sondern von den Almosen, die man ihnen gab. Deshalb nannte man sie "Mendikanten" (Bettelmönche) und "Fratres minores" ("Minderbrüder"). Und es geschah, dass die Gottesdienste im Kloster so beliebt wurden, dass der Pfarrer von St. Peter und Paul wiederum den Landesherrn anging, die Gottesdienstzeiten so zu verlegen, dass die Schäfchen der Gemeinde auch in seiner Kirche zum Gebet erscheinen konnten.

Ende des 18, Jahrhunderts wurden die Gelder knapp, das Kloster reparaturbedürftig, die Stimmung säkular. Es gab staatliche Rettungsversuche, die aber nicht ausreichten. Der letzte Minorit starb im Jahr 1843. Das Inventar wurde auf andere Kirchen verteilt, das Klostergebäude zum Rathaus umfunktioniert - und das bis 1972.

Heute noch finden sich im Museum Ratingen wertvolle Kunstwerke aus dem 18. Jahrhundert, die wahrscheinlich in Minoritenkirche oder -kloster gestanden haben: Einmal eine Statue, die wahrscheinlich die Hl. Katharina darstellt und ihren Platz am Hochaltar hatte, und einmal eine Figur des Hl. Johannes von Nepomuk, eine Statue aus Lärchenholz.

Im Jahr 1954 übernahmen die Würzburger Minoriten auf Bitten des damaligen Dechanten Rath den Seelsorgedienst an der neu erbauten Kirche St. Suitbertus. Das dortige Kloster befand sich in einem Anbau direkt hinter dem Chorraum der Kirche.

Es bestand aus Wohnräumen für die Mitbrüder, einer Küche, einem Refektorium sowie einer Bibliothek. Außerdem beherbergte der Anbau das Pfarrbüro und die Priester- und Messdienersakristei.

Die beengten Räumlichkeiten führten zum Neubau eines eigenen Klostergebäudes, das von 1973 bis 74 an das bestehende Kloster hinter der Kirche errichtet wurde. Hier wohnten und arbeiteten die Würzburger Minoriten bis zum Jahr 1986. Aufgrund der schlechten personellen Lage mussten sie den Ratinger Konvent aufgeben, konnten aber ihre Mitbrüder der Krakauer Minoritenprovinz dafür gewinnen, nach Ratingen zu kommen.

Und nun sind sie seit 30 Jahren in Ratingen. Die Übernahme durch die Krakauer Minoriten erfolgte am 6. September 1986. Der erste "Klosterbewohner" war Pater Stanislaus Strojecki.

Nachdem das Ordenskapitel nun gleich vier Patres, die in Ratingen mehr oder weniger lange hochgeschätzt tätig gewesen waren, zum gleichen Termin in andere Niederlassungen abberufen hat, findet das Revirement an diesem Wochenende statt, wird mit festlichen Gottesdiensten und einem Gemeindefest begangen. Dann soll auch für die gesamte Pfarre verkündet werden, welcher Geistliche in welcher Gemeinde tätig sein wird und welche Pflichten von wem übernommen werden. Im 30. Ratinger Jahr der Krakauer Ordensbrüder kommen: Pater Gregor Romanski, der neue Guardian des Klosters, Pater Wojciech Kordas aus Neustadt, Pater Tomasz Lukawski und Bruder Tomasz Picheta aus dem Marienwallfahrtsort Bogenberg. Die Ratinger Pfarrgemeinde St. Peter und Paul stellt ihnen das Kloster. Und in der vertraglichen Verbindung zum Erzbistum Köln heißt es: "Hier sind Ordensgeistliche in die Seelsorge des Bistums einbezogen. Dabei gilt grundsätzlich, dass die Personalverantwortung beim entsendenden Orden liegt, der mit dem Erzbistum entsprechende Vereinbarungen trifft - in der Regel so genannte Gestellungsverträge".

Quelle: RP
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