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Ratingen
Kulturkneipe feiert Dada-Kunst mit Musik und Literatur

Ratingen. Nichts muss gelingen, wenn Dada ersteht - das hat sich diesmal die Kulturkneipe im Lux auf der Turmstraße für Sonntag, 17 Uhr, auf die Fahne geschrieben. Und ein wenig erinnert es an die Erweckung von Hoppediz und das Einläuten einer fünften Jahreszeit. Soll es auch, denn es gibt Parallelen. Die Narren als Künstler, die Künstler als Narren. Verrücktheiten von Realem, Proklamation von Unsinn und Lebensfreude, aber auch Kritik und Satire an der Zeit. Das kommt einem bekannt vor, sind wir doch gerade dabei, die Frage zu diskutieren, wie weit Satire gehen darf.

Vor hundert Jahren jedenfalls, als der Erste Weltkrieg mit Senfgaswolken seine bitteren Blüten in die Erde versenkte und die Generation unserer Urgroßväter das Wort "Verdun" zum Unwort einer wahnsinnigen Zeit machte, standen in Zürich einige Künstler auf einer kleinen Bühne im Cabaret Voltaire, um mit künstlerischem Wahnsinn gegen das Geschehen zu rebellieren. Lange belächelt, sogar manchmal mitleidig belächelt, lebte Dada (so der Name dieser Bewegung) bis auf Ausnahmen und gelegentliche Erinnerungen vor sich hin. Wie Hoppediz eben. Aber nun, einhundert Jahre später, drängelt sich die internationale Kunstszene, das Ereignis gebührend zu feiern und zu würdigen. Auf diesen Zug will die Kulturkneipe nicht aufspringen. Sie will einen Nachmittag lang Dada leben und erlebbar machen. Mit Künstlern aller Couleur, die Lust dazu haben. Und deshalb muss auch nichts gelingen. Die Musiker bringen die schrägen Töne einfach mit, die Literaten lesen Lautgedichte laut und leise, die Bildenden Künstler stellen auf die Bühne, was ihnen zu Dada passend erscheint, und ansonsten lassen sich alle überraschen, was geschieht. Schon das Plakat für die Veranstaltung ist quer und nicht längs gestaltet: Für Querleser das passende Format. Darauf zu finden sind dann Ratinger Künstler wie Nadia Meroni, Klaus Wittfeld, Michael Bulcik oder die Era-Autoren Barbara Ming, Marion Schüller und Axel Hippe. Musikalisch dabei "Die Außenbürger", für die tänzerischen Elemente: Bettina Boos. Der Düsseldorfer Christoph Wanner-Krause, der selbst Schweizer ist, bringt den Zürcher Dada-Gedanken durch einen Text und eine seiner Skulpturen näher. Auch die Düsseldorfer Theatergruppe Karawane, die gestern im Museum mit der UmJandlung "Von Mund zu Ohr" auftritt, wird sich mit Texten anderer Dadaisten ins Geschehen einmischen. Und mehr war nicht zu erfahren. Wer Lust auf einen ungewöhnlichen Nachmittag hat, ist willkommen. Sitzplätze für neugieriges Publikum finden sich irgendwo im Geschehen.

Der Eintritt ist wie immer frei.

Quelle: RP
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