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Hösel
Kulturkreis Hösel: So spannend kann Goya sein

Hösel. "Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer" ist das bekannteste und wirkmächtigste Blatt aus Goyas Radierzyklus Caprichos, das durch die politischen Verwerfungen dieser Tage eine unerwartete Aktualität erhält. Auf Einladung des Kulturkreises Hösel führte Helmut C. Jacobs in einem packenden Vortrag seine Forschungen zu den geheimen Botschaften der Caprichos und insbesondere zu diesem Blatt vor.

Es zeigt den an seinem Arbeitstisch eingeschlafenen Künstler, der im Traum von unheimlichem Nachtgetier heimgesucht wird. Capricho 43 gilt als programmatisches Bild, als Signatur der sich ihrem Ende zuneigenden Epoche der Aufklärung. Mit den Augen des Referenten konnte das Publikum den komplexen, streng proportionalen Bildaufbau und die Gesten- und Körpersprache des Schlafenden verfolgen. Aber auch viele der anderen Radierungen sind voll tiefgründigem Hintersinn und enthalten versteckte, äußerst brisante sozialkritische Botschaften, die sich erst heute anhand handschriftlicher Kommentierungen, die noch zu Goyas Lebzeiten entstanden sind, entschlüsseln lassen. Gesellschaftliche Missstände wie Armut, Unterdrückung, Erziehung durch Angst, Gesetzeswillkür, Todesstrafe, Aberglaube als Machtinstrument der Kirche bis zu sexuellem Missbrauch von Kindern durch Geistliche werden teilweise versteckt und doch schonungslos in bissigen Satiren angeprangert. Die bissige Schärfe und die künstlerische Qualität der Darstellung machten diese Radierfolge zu einem Meisterwerk der spanischen Aufklärung. Jacobs, seit 1997 Professor für Romanistik an der Universität Duisburg-Essen, widmet sich vor allem der Goya-Forschung und zählt auf diesem Gebiet zu den Experten. 2006 veröffentlichte er bereits eine umfassende Darstellung von Goyas Meisterwerk unter dem Titel: "Der Schlaf der Vernunft". An dem Abend im Kulturkreis begleitete er seine fundierten Erläuterungen musikalisch auf dem Konzertakkordeon mit temperamentvollen Fandangos und beschwingten Boleros aus der Epoche Goyas.

Quelle: RP
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