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Ratingen
Kunstwerk verhüllt Altar und Kanzel

Ratingen: Kunstwerk verhüllt Altar und Kanzel
Drei verborgene unterschiedliche Leuchten mit weißem Licht spenden Helligkeit für Installation in der barocken Stadtkirche. Künstler Klaus Schmidt hat sie zur Fastenzeit aufgebaut. FOTO: A. Blazy
Ratingen. In der Stadtkirche sorgt eine Installation von Klaus Schmidt für Aufsehen. Von Gabriele Hannen

Eine Skulptur aus Bronze bleibt eine Skulptur und ein Bild, Öl auf Leinwand, bleibt auch ein Bild. Man kann dennoch trefflich darüber räsonieren. Eine Installation hingegen - wie sie gegenwärtig und bis zum Mittwoch (28. März) vor Gründonnerstag in der Stadtkirche aufgebaut ist, die lässt eine Diskussion bei Fahrlässigkeit zum Baumarkt-Gespräch abgleiten. Pastor Gert Ulrich Brinkmann zog also die Reißleine, als Klaus Schmitt, der Künstler dieser Arbeit, zu seinem Werk befragt wurde.

Als der gebürtige Korschenbroicher sich in der Stadtkirche ans Werk machte, entstand ein verhüllendes Gebirge aus Holzleisten und schwach durchsichtigen, weißen Rechtecken, aufgetürmt, fast verrutscht, in seiner Zufälligkeit dennoch besonders stabil. Altar und Kanzel verschwanden darunter. Drei verborgene unterschiedliche Leuchten mit weißem Licht spenden Helligkeit.

Kunstbesprechungen werden meist von einer ganz eigenen Poesie befeuert. Und so hat die Installation zwar keinen Namen, aber interessante Worte ihres Createurs abbekommen: "Wichtig ist mir die authentische persönliche Entwicklung auf der Suche nach dem Dahinter. Konstruktion und Dekonstruktion von Bildraum eröffnen den Zugang zu einem immateriell-kosmischen Raum. Room to move."

Neudeutsch begeistert möchte man das klassische "wow" rufen, wenn man das Getürm an der Stirnseite der barocken Stadtkirche wahrnimmt. Sieht es auf den ersten Blick doch so aus, als krache es bald zusammen. Irrtum. Es bleibt stabil und kann einen aufmerksamen Betrachter in dieser Fastenzeit dazu bringen, hier einmal richtig hinzusehen und dort auch hinter andere Dinge zu kommen.

Mit dem Aschermittwoch hat die Passionszeit begonnen. Christen erinnern sich in den rund sieben Wochen bis Ostern an die 40-tägige Leidensgeschichte Jesu: an die Verurteilung, den Verrat und die Kreuzigung. Die Passionszeit wird auch Fastenzeit genannt, da Christen fasten, ihre Art von Verzicht zu üben versuchen oder sich Zeit nehmen für Besinnung und Gebet. Auch der Gottesdienst wird ruhig und schmucklos gestaltet. Nach dem Ende der Passionszeit strahlt dann das Fest der Auferstehung: Ostern.

In der evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland war es bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts wie in den katholischen Gemeinden üblich, die Kreuze mit schwarzen oder violetten Tüchern zu verhüllen. Das kam im Zug des sogenannten "preußischen Protestantismus" aus der Mode.

Nun also diese Form von Verhüllung, die auf das Fastenmotto der evangelischen Kirche prallt: "Zeig dich!"

Quelle: RP
 
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