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Ratingen
Lebensretter an der Decke werden Pflicht

Ratingen: Lebensretter an der Decke werden Pflicht
Eine kleine Dose kann bei einem Brand Menschenleben retten. Die Feuerwehr berät Privatleute, die ihre Häuser oder Wohnungen mit Feuermeldern ausstatten lassen wollen. FOTO: Ralph Matzerath
Ratingen. Ab dem kommenden Jahr muss jedes Privathaus mit Rauchmeldern ausgestattet sein. Die Feuerwehr im Kreis wirbt für die Dosen. Von Wolfgang Schneider

Kreisbrandmeister Torsten Schams ist ein Mann der Praxis. Bevor er als Abteilungsleiter für den Bevölkerungsschutz zum Kreis Mettmann wechselte, hat er sein komplettes Berufsleben bei der Feuerwehr Ratingen verbracht. Und damals wie heute wird er nicht müde zu betonen, wie wichtig es ist, sich vor den Gefahren, die im Brandfall in den eigenen vier Wänden lauern können: "Rauchmelder können leben retten", zitiert er den Slogan einer Kampagne, die zwar alt, aber nicht abgedroschen ist.

Erst recht in diesem Jahr, steht doch eine große Gesetzesnovellierung an. Denn ab Januar 2017 müssen auch in bestehenden Wohnhäusern Rauchmelder eingebaut werden, die Übergangsfrist endet.

Ein Mann, der sich damit auskennt, ist Joachim Herbrand, bei der Feuerwehr Ratingen für den Vorbeugenden Brandschutz zuständig: "Die Beratungsgespräche über die Rauchmelderpflicht haben sich deutlich erhöht in letzter Zeit", so Herbrand. Der Gesetzgeber gibt mit dieser Änderung ähnlich wie bei öffentlichen Gebäuden wie zum Beispiel Krankenhäuser Verantwortung an die Eigentümer aber auch die Mieter ab, für mehr Sicherheit zu sorgen. Alles ist genau geregelt, wie der Fachmann erklärt: "Der Eigentümer ist für die Erstinstallation der Geräte zuständig, die Wartung obliegt dann dem Nutzer." Nach spätestens zehn Jahren sollten Rauchmelder ausgetauscht werden, denn dann sind die Sensoren in der Regel so verdreckt, dass sie nicht mehr wirkungsvoll sind.

Aber es gibt noch einige andere Tipps, die man beachten sollte, wenn man seine Sicherheit vernünftiger Technik anvertrauen möchte. Nur Rauchmelder, die eine CE-Kennzeichnung und die DIN-Angabe "EN 14604" tragen, dürfen verkauft werden. Allerdings werden die Produkte nicht überprüft, sondern der Hersteller erklärt nur, er halte geltende EU-Bestimmungen ein. Daher raten Experten wie Herbrand auch gerne zum Q-Zeichen, das vom TÜV vergeben wird. Das geht über die gesetzlichen Prüfkriterien der CE-Kennzeichnung hinaus. Die Geräte und Batterien sollten mindestens zehn Jahre halten.

Preislich ist die Spanne lang, günstige Varianten gibt es bereits ab etwa fünf Euro, für geprüfte Sicherheit sollte man allerdings durchaus schon um die 20 Euro investieren.

Wie wichtig das ist, zeigen dramatische Zahlen: In Deutschland kommen jährlich bei Bränden 400 bis 500 Menschen ums Leben, etwa 5000 werden schwer verletzt. Hauptursache der Todesfälle bei Wohnungsbränden ist nicht die Temperatureinwirkung, sondern der Erstickungstod durch giftige Gase. Bei frühzeitiger Alarmierung durch Rauchwarnmelder - können viele Leben gerettet werden.

Wie hoch die Zahlen im Kreisgebiet sind, bei denen Brände frühzeitig durch Rauchmelder bemerkt wurden, wird statistisch nicht erfasst. Allerdings gehen bei der Leitstelle viele Anrufe von Nachbarn ein, die die Warntöne hören - auch wenn das oft nur das Zeichen dafür ist, dass die Batterie leer ist. Anders war das im vergangenen Sommer auf der Wedauer Straße in Lintorf. Dort war ein junger Mann am späten Abend eingeschlafen, hatte Essen auf dem Herd gelassen. Irgendwann sprang der Rauchmelder an, eine Nachbarin bemerkte das und rief die 112. Der Mieter konnte von der Feuerwehr aus der mittlerweile völlig verqualmten Wohnung geborgen werden.

Quelle: RP
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