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Heiligenhaus
Leidenschaft für Tango in der Abtsküche

Heiligenhaus. "Tango Fascination" bot das argentinische Duo Gabriel Merlino und Vanina Tagini - ganz ohne Tanz. Von Sandra Kreilmann

Leidenschaft, Melancholie, Lebensfreude, all das ist der Tango. Kaum eine Musik vereint diese Emotionen so in sich, wie es die südamerikanische Musikrichtung tut. All diese Facetten zeigten sich am Freitagabend in der Abtsküche, als Gabriel Merlino am Bandoneon und Vanina Tagini mit ihrer Stimme eine temperamentvolle Reise durch die Welt des Tangos malten.

Die beiden Argentinier haben den Tango regelrecht im Blut und leben ihn schon seit frühester Kindheit. Das zeigt sich schnell: Schon die ersten Klänge des Konzertes im Museum entführten die zahlreichen Besucher in die Heimatstadt des Duos, nach Buenos Aires. In die schmalen Gassen am Abend und das pralle Leben, dass sich hier abspielt. Eigentlich passt keine Sprache so gut zum Tango wie das Spanische. Denn auch, wer des Spanischen nicht mächtig ist, versteht, worum sich die gesungenen Geschichten drehen. 2008 war Merlino bereits in Heiligenhaus, wie er sich gerne erinnert. "Es ist sehr, sehr schön hier in der Abtsküche", sagt der Musiker in einem Deutsch, das charmant mit argentinischem Akzent glänzt. Für Jürgen Weger vom veranstaltenden Kulturbüro ist Gabriel Merlino schlicht "der beste Bandoneon-Spieler, den es gibt." Und wer einen Konzertabend mit Merlino erlebt, der weiß auch, woran das liegt. Es ist nicht nur die Leidenschaft für den Tango, sondern auch für dieses Instrument. Mit seiner Konzertreise durch Deutschland führt er das Instrument dabei in sein Heimatland zurück. "Das Bandoneon ist ein deutsches Instrument. Es wurde hier erfunden, in Krefeld." Von Heinrich Band genauer gesagt, einem Musiklehrer, der etwa Mitte des 19. Jahrhunderts lebte und der die Konstruktion der sogenannten Konzertinas weiter entwickelte. Deren Tonumfang hielt er für unzureichend. "Es entstand in Deutschland in den 20er Jahren ein regelrechter Boom für Bandoneon-Musik. Es war ein sehr beliebtes Instrument", weiß Merlino. "Es entstanden zum Beispiel viele Bandoneon-Clubs, in denen die Musik gespielt wurde." Bis zur Nazi-Zeit.

Heute gilt das Instrument als Inbegriff des Tangos und sorgt für den ihm so eigenen typischen Klang, geprägt hat es die Musik wie kein anderes. Merlino und Sängerin Tagini leben diese Musik. Die Leidenschaft dafür zeigt sich nicht nur in ihrem Spiel und Gesang, sondern auch in ihren Körpern. Sie spielen die Musik nicht nur, sie tanzen den Tango ohne sich auch nur einen Schritt zu bewegen - mit ihrem Körpern und besonders ausdrucksstark: in den Gesichtern. Klassiker, wie "Adios Nonino" von dem wohl bekanntesten Tango-Komponisten Astor Piazolla waren ebenso zu hören, wie Stücke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, aber auch der Tango Nuevo, der moderne Tango war zu hören.

Quelle: RP
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