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Ratingen
Leistenbrüche müssen behandelt werden

Ratingen. 200 von 100 000 Personen erleiden pro Jahr einen sogenannten Eingeweidebruch - mehr Männer als Frauen. Von Gabriele Hannen

Ringsum kennt jeder einen Tapferen wie Rüdiger Sch.: "Och, den Bruch habe ich schon seit ein paar Jahren, der stört mich gar nicht mehr." Dabei ist auch bei ihm Heldentum nicht erforderlich, weil die nötige Operation in der Regel minimal-invasiv vorgenommen wird, das heißt, mit drei kleinen Schnitten für die erforderlichen Instrumente.

Das bedeutet für den Patienten schnellere Heilung, geringere Gefahr von Wundheilungsstörungen und einen kürzeren Aufenthalt im Krankenhaus. Während früher die "offen" Operierten generell sechs bis acht Wochen krank geschrieben waren, können sie sich inzwischen schneller wieder ins berufliche Leben begeben, Sport betreiben und schmerzfrei sein.

Wenn die Leidtragenden sich das rechtzeitig vor Augen halten würden, wäre weniger Elend in Arztpraxen oder im Krankenhaus zu diagnostizieren. Es gibt in der Tat Fälle, bei denen sich größte Teile der Eingeweide mit allem Drum, Drin und Dran zum Beispiel in den Hodensack verlagert haben. Und das kann denn auch der härteste Patient nicht mehr mit eigener Kraft an die eigentliche Position zurück drücken. Darüber hinaus steigt die Gefahr, dass Teile des Darms eingeklemmt werden und es zum Darmverschluss kommt.

"Der macht dann eine sofortige Notoperation erforderlich", erklärt Cvijetin Branding-Cvjanovic, Chefarzt der Chirurgie am St. Marienkrankenhaus. Immerhin handelt es sich bei einem Leistenbruch um ein kleines Loch in der Bauchwand, das sich von alleine nicht mehr verschließen kann. Der Bruch wird mit der Zeit sogar immer größer". Der Bauch entspricht einer Höhle, die mit den Bauchorganen ausgefüllt ist. Diese Bauchhöhle ist mit dünnen Häuten - dem Bauchfell - ausgekleidet, die die Organe wie Magen und Darm an ihrem Platz halten. An einer Stelle nun ist die Bauchhöhle durch eine Art Kanal mit der Genitalregion verbunden. Diesen Kanal nennt man den Leistenkanal. Er stellt eine Verbindung dar, die durch Anteile der Bauchmuskeln, Sehnen, und Bänder gebildet wird. In der Leiste wiederum verlaufen Nerven und Lymphgefäße, bei Männern zusätzlich der Samenstrang mit Samenleiter, Nerven und Gefäßen. Bei Frauen zieht sich ein Band hindurch, das die Gebärmutter befestigt. Die Leiste wiederum hat eine Öffnung zum Bauchraum und bei Männern eine zum Hodensack, bei Frauen zu den großen Schamlippen.

Bei einem Leistenbruch gleitet nun aus verschiedenen Gründen Gewebe des Bauchraums durch die Leiste. Und, wenn es schlimm kommt, der Darm gleich mit. Der Patient hat meist ziehende Schmerzen, die sich beim Husten oder bei körperlicher Belastung verstärken können. Wenn man den Bruch nicht wegen einer Vorwölbung erkennt, kann er auf jeden Fall per Ultraschall dargestellt werden. Übergewicht, starkes Pressen beim Stuhlgang, erhöhter Bauchinnendruck beim Heben schwerer Lasten wirken erfahrungsgemäß immer wieder auf den Bruch ein. Und dabei ist das Alter der Patienten unerheblich.

Im Ratinger Krankenhaus operiert Cvijetin Branding-Cvjanovic überwiegend endoskopisch, stabilisiert aber generell die "defekte" Stelle mit einem Kunststoffnetz, das etwa einen Handteller groß ist und das sich mit dem Bauchfell letztlich verbindet und somit den Durchbruchspunkt verschließt.

Manche Krankheiten gehen so, wie sie gekommen sind. Ein Eingeweidebruch allerdings niemals.

Quelle: RP
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