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Ratingen
Lernen nach Schulschluss: Unterrichtsfach Diabetes

Ratingen. An der Friedrich-Ebert-Realschule bringt Lehrerin Vera Ploeger ihren Schülern eine besondere Form der Ersten Hilfe bei. Sie treffen sich regelmäßig.

Von der Wundversorgung bis zur Herzmassage lernen Schüler in entsprechenden Kursen bei Maltesern und anderen Rettern das Einmaleins der Ersten Hilfe, um sich im Notfall souverän um Mitschüler oder Lehrer kümmern zu können. Und was ist, wenn jemand unterzuckert ist und umfällt?

"Dann könnte es sich um einen Diabetiker handeln", sagt Vera Ploeger. Dann heißt es "Ruhe bewahren und sofort den Notarzt alarmieren". Sie weiß, wovon sie spricht. Die Deutsch- und Kunstlehrerin an der Friedrich-Ebert-Realschule ist selbst seit 23 Jahren betroffen und schon im Unterricht vor versammelter Mannschaft umgekippt. "Ich hatte es schlicht nicht geschafft, rechtzeitig meine Werte zu messen und eine entsprechende Menge Insulin nachzulegen.

Dieses "Verpassen" und andere Themen sind generelle Dinge, die in ihrer Diabetes-Runde besprochen werden. Ein Mal monatlich nehmen ebenfalls von Diabetes betroffene Schüler wie Sina (15), Gianluca und Pia (beide 12) daran teil.

"Mir wurde sogar vorgeworfen, ich mache mich mit meiner Zuckerkrankheit bloß wichtig", berichtet Pia von ersten Resonanzen anderer Schüler. "Doofe Sprüche und nicht immer das essen zu können, auf was man Appetit hat", nervt am meisten. In der Runde tauschen sich die Schüler mit der Lehrerin aus. Berichten wie blöd es ist, fast nicht mit auf Klassenfahrt gehen zu können, weil das Kollegium nicht die Verantwortung im Notfall übernehmen mag. Und geben sich Tipps sowie praktische Ratschläge.

Sina, bei der 2009 die chronische Krankheit festgestellt wurde, und Pia, die "kein Leben ohne Diabetes kennt", weil sie bereits als Baby erkrankte, benutzen zum Beispiel das gleiche Messsystem, um ihren Blutzuckerwert feststellen zu können. "Da kannst du so ein akustisches Signal als Erinnerung einstellen, damit du die punktgenaue Messung nicht verpasst", lautet der praxisnahe Ratschlag. Akribie und Disziplin sind im Umgang mit Diabetes unerlässlich. Und der offene, sogar offensive Umgang mit der Erkrankung. "Meine Freunde wissen alle, dass ich Diabetikerin bin", sagt Pia. "Die achten auf mich und würden mir immer helfen." Außer einem handgroßen Set mit kleiner Stechhilfe, Messtreifen und eigentlichem Messgerät haben sie alle immer ihre Notration Traubenzucker dabei. Nur Sina nicht, da sie diese Süßigkeit nicht verträgt. Anstelle dessen achtet sie immer darauf, ein Trinkpäcken zur Hand zu haben. "Jeder Tag ist anders", resümieren alle vier, dass aller Genauigkeit und Sorgfalt zum Trotz Unvorhergesehenes wie Stress komplett aus der Bahn werfen und für schlechte Werte sorgen kann. Unter anderem, um sich auszutauschen und sich gegenseitig Mut zu machen, gibt es die Diabetes-Runde mit Vera Ploeger.

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