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Ratingen
Lieber helfen als zuschauen

Ratingen. Seit vier Jahren gibt es an der Käthe-Kollwitz-Realschule West und Lintorf Schulsanitäter. Von Monika von Kürten

Ins Leben gerufen wurde er seinerzeit von einem Schüler der Realschule. Inspiriert von einer Ersthelferausbildung bei der Johanniter Unfallhilfe wollte Lukas damals gerne einen Sanitätsdienst in seiner eigenen Schule organisieren und fragte bei Schulleiter Klaus Fischbach um Erlaubnis. Diesem gefiel die Idee sehr gut, und seither werden regelmäßig Schülerinnen und Schüler von den Johannitern geschult.

Die jeweils älteren Schüler haben aufgrund ihrer längeren Erfahrung die Oberaufsicht über die Truppe. "Sie sind ein wichtiges Verbindungsglied zwischen den Sanitätern, der Schulleitung und mir", sagte Lehrerin Sabine Overfeld, die in der Realschule hauptverantwortlich für die Sanitätergruppe an beiden Standorten ist. Mit ihr treffen sich die jungen Ersthelfer monatlich zu Besprechungen und einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch. Zusammen wird auch ein Dienstplan erstellt, der für jeden einsehbar im Sanitäterraum an der Wand hängt. In jeder Pause ist dieser Raum besetzt, und auch auf dem Schulhof sind die Ersthelfer immer vertreten. Selbst wenn sie nicht direkt "Dienst haben", sind sie moralisch verantwortlich und können immer angesprochen werden. Bei Schulveranstaltungen wie beispielsweise Sportfest oder Tag der offenen Tür stehen die Schulsanitäter mit ihrer Ausrüstung ebenfalls bereit. Manchmal wird ein Sanitäter auch von der Schulsekretärin aus dem Unterricht geholt, weil seine Hilfe benötigt wird. "Wer wie oft und wann einen Dienst übernimmt, bestimmen die Schüler selber, sie tragen sich eigenständig im Dienstplan ein", erklärt Overfeld. Die Schüler in Lintorf und West nehmen die fachmännische Hilfe "ihrer Sanis" gerne an. "Man kennt uns, da fällt es einem leichter, um Hilfe zu bitten", erzählte Felix. Er ist Schulsanitäter in Lintorf. Ernsthafte Vorfälle sind bis auf eine Ausnahme Gott sei Dank bisher nicht vorgefallen. "Meist kommen die Schüler mit Schürfwunden an Knie und Ellenbogen zu uns oder weil sie sich geschnitten haben. Auch Kühlpacks werden nachgefragt, oder es wird Hilfe wegen Kopfschmerzen sowie Übelkeit oder einer Platzwunde gesucht. Aber alles dürfen wir nicht behandeln. So dürfen wir zum Beispiel keine Tabletten ausgeben oder Desinfektionsmittel verwenden, weil wir ja nicht wissen, ob der betroffene Schüler allergisch darauf reagiert. Bei schwerwiegenderen Vorfällen kümmern wir uns um die verletzte Person bis der Rettungswagen kommt und übergeben dann an die Profis", berichtete Felix.

Nach jedem Einsatz wird genau Buch geführt, was vorgefallen ist, wie die Sanitäter geholfen haben und welches Verbandsmaterial ausgegeben wurde. In regelmäßigen Abständen kontrollieren die Schüler aus dem Sanitätsdienst die Arbeitsmittel auf Vollständigkeit, Funktionsfähigkeit und Haltbarkeit. Bei Bedarf wird Material dann von der Schulleitung nachbestellt. Nachwuchssorgen gibt es an keinem der beiden Standorte. Jedes Jahr melden sich neue Schüler, die freiwillig bereit sind, ihren Schulkameraden zu Hilfe zu eilen. "Ich finde es klasse, anderen helfen zu können, anstatt nur zuzuschauen", begründet Larissa ihre Entscheidung, Schulsanitäter zu werden, und Schulkamerad Patrik hatte bei einer Rettungsschwimmerausbildung in seiner Freizeit beschlossen, auch in der Schule seinen Mitschülern hilfreich zur Seite zu stehen. Lehrer und Schulleitung unterstützen die jungen Ersthelfer, wo sie nur können. Sie begrüßen ihr vorbildliches Engagement. "Der Schulsanitätsdienst wirkt sich positiv auf das Schulleben aus. Es fördert die soziale Verantwortung und das Miteinander der Schüler", sagte Dr. Ekkehard Witthoff, zweiter Konrektor und zugleich Leiter der Lintorfer Dependance. Das Engagement einiger Schüler hält sogar nach ihrem Schulabschluss noch an. "Uns freut es besonders, dass manche von Ihnen sich zu einer Berufsausbildung im Gesundheitswesen entschlossen haben oder sich zum Rettungsschwimmer oder Rettungssanitäter ausbilden haben lassen", sagte Anette Schürhaus-Rose, kommissarische Schulleiterin der Käthe-Kollwitz-Schule.

Quelle: RP
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