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Kreis Mettmann
Liebeslust und Ehefrust in der Vogelwelt

Kreis Mettmann. Anbändeln, Nest bauen, Nachwuchs durchfüttern und fertig? Wer das glaubt, kennt die Welt der Vögel schlecht. Von Sabine Maguire

Wer mit wem? Und wenn ja, wie lange? Fragt man nach dem Beziehungsstatus der Gefiederten, so steht dort wohl am ehesten: Es ist kompliziert. Dabei scheint doch eigentlich alles ganz einfach zu sein. Man trifft sich irgendwo im Neanderland auf einem Baum und findet sich ganz nett. Anbändeln in den unterschiedlichsten Tonlagen, Nest bauen, Nachwuchs durchfüttern und fertig! Wer das glaubt, kennt die Vögel schlecht.

Im Grunde sind sie Vorreiter einer freizügigen Beziehungskultur. Nicht erst seit der Hippiezeit gilt dort offenbar: Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment. Ein Quickie auf dem Ast, die heimliche Geliebte oder auch gemeinsam schnäbeln und getrennt wohnen: Das Liebesleben der Flugkünstler ist so bunt wie ihr Gefieder.

Obwohl, ein paar konservative Quertreiber gibt es wohl immer. Bei Vögeln sind es die Schwäne mit ihrem Hang zur Monogamie. Natürlich binden sich auch diese unverbesserlichen Romantiker nicht für ewig, ohne sich vorher gründlich umgeschaut zu haben. Wer will schon als Heißsporn gerne sein Leben mit einem Langweiler verbringen? Schwimmen sie dann - ganz in Weiß - in trauter Zweisamkeit in den Hafen der Ehe, soll es für immer sein. Eine Scheidung zu Lebzeiten kommt nicht infrage. "Sie trauern aber nicht ewig" weiß Reinhard Vohwinkel, dass der Tod auch die beste Schwanen-Ehe scheidet und es danach für die Überlebenden durchaus in neuer Zweisamkeit weitergehen kann.

Liebe Bürger, macht Euch also keine Sorgen! Auch der einsame Schwan steht nicht auf Männer. Nur dass eben für Schwäne nicht gilt, dass auch in der kleinsten Hütte genug Platz für zwei ist. "Die Damen wissen, dass das Nahrungsangebot nicht ausreicht, und fliegen einfach weiter", glaubt Reinhard Vohwinkel. Der Velberter Ornithologe kennt sich bestens auch mit der Liebeslust der Gefiederten - und auch mit deren Vorlieben. Was das Lotterleben angeht, sind die Kleinsten offenbar die größten Schlawiner. Oder, um es mal so zu sagen: Kleine Männer haben bekanntlich große Komplexe. Dabei wären sie doch gern König über ein ganzes Reich, so wie der Zaunkönig. Bei der Damenwelt punktet er nicht nur als unüberhörbares Schwergewicht beim Freiluftkonzert, sondern auch noch damit, dass er gerne in Immobilien investiert. "Er baut mehrere Nester", plaudert Reinhard Vohwinkel aus dem Nähkästchen der geflügelten Aufschneider. Und weil ihm die Frauen nur so zufliegen, kann er deren Reizen nicht widerstehen. Am Ende geht's dann übrigens auch noch um den Stand des Futterkontos, um bei der Vielweiberei bestehen zu können.

Heute hier, morgen dort: Das scheint auch für den Uhu zu gelten. Da hat die Familie im Wülfrather Bruch auch schon mal das Nachsehen, wenn das flotte Gefieder in der Nachbarschaft lockt. Die Geliebte direkt nebenan? Für den Uhu kein Problem.

Den ganzen Stress will sich der Kuckuck erst gar nicht antun. Sex ja, Ehe nein. Und erst recht keine lästigen Blagen am Hals haben. Dass er seine Kuckuckseier in fremde Nester legt, ist ja hinlänglich bekannt. Dass er dabei auch noch ziemlich hinterlistig vorgeht, eher weniger. "Schlüpft ein Kuckuck beispielsweise im Nest einer Mönchsgrasmücke, ähneln seine Eier später denen seiner Zieheltern", verrät Reinhard Vohwinkel. Und nicht nur das: Bei der Wahl eines Domizils für seine Betrügereien gilt offenbar das Motto: zurück zu den Wurzeln. Auch der künftige Kuckuck-Nachwuchs wird gerne wieder dort eingeschleust, wo man selbst die besten Erfahrungen gemacht hat - in diesem Fall also ins Mönchgrasmückennest.

Nicht ganz astrein ist übrigens auch das Liebesleben der "Stars" unter den Vögeln. Auch wenn vom Promi-Bonus keine Rede sein kann: Der Star ist ein leibhaftiger Vertreter der schnelllebigen Ehe. Kurz aber heftig, und alles muss schnell gehen. Reicht die Zeit nicht für den Nestbau, vertreibt er für seine Romanzen auch schon mal den Specht aus der frisch gezimmerten Höhle.

Dergleichen würde dem Storch übrigens nicht im Traum einfallen. Im Gegenteil, für ihn geht nichts über das eigene Domizil. Auch nicht die Verflossene, die womöglich nach der Rückkehr von der alljährlichen Stippvisite in wärmere Gefilde irgendwo anders strandet. Dabei wüsste sie doch ziemlich genau, wo ihr Lebensabschnittsgefährte zu finden wäre: nämlich in seiner geliebten Villa.

Und wenn man überhaupt keine Lust auf das ganze Beziehungs-Gedöns oder den Klatsch und Tratsch in der Nachbarschaft hat? Wenn man zu den Typen gehört, die sich am liebsten aus allem raus halten? Dann macht man es wie der Habicht und das Rotkehlchen. Beide sind Individualisten mit Hang zur Eigenbrötelei. Sie lieben vor allem die besonderen Momente im Leben und absolvieren zur Brutzeit ihr Pflichtprogramm. Und wenn alles vorbei ist, wird in getrennten Revieren gelebt.

Liebeslust und Ehefrust: Unsere gefiederten Mitbewohner könnten wahrlich ein Lied davon singen. Gelegentlich endet es sogar mit der Scheidung - also quasi auf Nimmerwiedersehen.

Dauert dem Kiebitz die leidige Brüterei zu lange und ein Schwarm ruft zum Vogelzug, lässt er seine Angetraute einfach mit dem Nachwuchs sitzen.

Und bei den Amseln steht die Trennung ins Haus, wenn die Brut erfolglos abgebrochen wurde. Kinder sind nun mal der Kitt der Ehe - offenbar auch Vogelkinder.

Quelle: RP
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