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Ratingen
Luftige Kunst in der Loge

Ratingen: Luftige Kunst in der Loge
Ulrike Siebel macht aus Drahtspiralen kleine Käfige, verstärkt sie mit Holzstöckchen, umfängt sie mit leicht versteifter Gaze. Die zarten und schwebenden Objekte reisen zu Ausstellungen in kleinen, einzelnen Beuteln. FOTO: achim blazy
Ratingen. Ab heute Abend, 19 Uhr, stellt die Mettmannerin Ulrike Siebel in der Künstlerloge an der Calor-Emag-Straße aus - es sind zarte, schwebende Objekte. Von Gabriele Hannen

Ihr Haar ist gelockt und feurig rot, die Brille rund und auch ein bisschen feurig. Also kommt Ulrike Siebel lustig koboldhaft rüber, irgendwie leuchtend. Ihr Blick ist freundlich und scharf, die Beobachtungen sind klar, die Urteile konkret. Sie stellt ab heute und bis zum 1. November in der Künstlerloge an der Calor-Emag-Straße 7 aus. Sie hat die Welt, vor allem die Natur, im Blick, präsentiert aber ihre Auseinandersetzung mit dem Äußerlichen unter dem Titel "Verborgen".

Wenn man vor allem die Wattegebilde betrachtet, die zudem auch noch mit geriffeltem Kupferdraht umwickelt sind, dann hat es mit dem Verbergen seine Richtigkeit: Tief drinnen ruht hier ein Blatt, verbirgt sich dort eine schrumpelige Dolde, da eine Art Birne, die die besten Momente hinter sich hat.

Sie macht aus Drahtspiralen kleine Käfige, verstärkt sie mit Holzstöckchen, umfängt sie mit leicht versteifter Gaze. Und innen schaukelt eine Samenkapsel. Die zarten und schwebenden Objekte zum Beispiel reisen zu Ausstellungen in kleinen, einzelnen Beuteln, sind sorgfältig im Auto aufgehängt, werden am Bestimmungsort sorgsam ausgewickelt. Dabei zeigt sich: "Ich bin geduldig, und das nicht nur manchmal." Sie löst Knoten auf, entwirrt Vertüddeltes, faltet, glättet.

Nun macht die derzeitige Gastkünstlerin in der alten Pförtnerloge der Calor Emag nicht nur versponnene Watteobjekte - sie ist in ganz unterschiedlichen Technikern zu Hause und hat das auch schon bei sehr vielen Ausstellungen im In- und Ausland bewiesen. Auch in Ratingen gibt es mancherlei: besprühte Stoffbahnen, auf denen sich (was sonst?) Pflanzen abzeichnen, Holzobjekte mit Malerei, die unter durchsichtigen Wachsschichten matt schimmert. Eben alles verborgen. Aber gut zu finden.

Ulrike Siebel ist in Darmstadt geboren, was ihre Sprache auch heute noch nicht verbirgt. Das war im Zweiten Weltkrieg. Sie "lernte auf Kunsterzieherin" und übte den Beruf auch aus. Später dann übersiedelte sie nach Düsseldorf, studierte in eher fortgeschrittenem Alter nach dem früheren textilen Gestalten dann auch noch Malerei. Sie erfreut sich in ihrem jetzigen Wohnort in Mettmann an einem verwunschenen Garten, der mancherlei Inspirationen gibt. Sie malt und fügt zusammen, fertigt Prägedrucke und schöpft aus einem schier unerschöpflichen Ideen- sowie handwerklichen Schaffensfundus.

"Mehr und mehr bin ich auf dem Weg, immer stimmiger zu werden - auch in mir selbst", meint sie - um dann wieder von äußerst lebendigen Zeiten zu erzählen, die gerade zurückliegen. "Ich hatte tatsächlich in meinem Alter ein zweimonatiges Israel-Stipendium der Stadt Düsseldorf und konnte dort wunderbar arbeiten."

Ihre Arbeiten werden ab sofort auch die Gäste des benachbarten Relexa-Hotels im Vorübergehen oder Stehenbleiben betrachten können. Leif Penning, der stellvertretende Hoteldirektor, ist jedenfalls sehr erfreut, dass sich gleich neben seinem Haus eine Galerie befindet, die rund um die Uhr ihre Exponate präsentiert.

Die Ausstellung läuft bis zum 1. November und ist jederzeit von außen einsehbar. Kontakt: Ulrike Siebel, www.siebel-buedinger.de, Telefon 02104 74434, ulrikesiebel@t-on.

Quelle: RP
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