| 00.00 Uhr

Ratingen
Managerin für die Schwachen

Ratingen: Managerin für die Schwachen
Ina Bisani setzt sich ehrenamtlich für "ihr" Ratingen ein. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Ina Bisani treibt die kulturelle Bildung in ihrer Heimatstadt voran. Seit 2011 ist sie Vorsitzende der Bürgerstiftung Dumeklemmer. Von Isabel Klaas

"Stress", sagt Ina Bisani, "gibt es für mich nur, wenn mit einem meiner drei Söhne etwas ist. Stress habe ich nie durch zu viel Arbeit." Bisani (55) ist vollzeitberufstätig und seit 2011 Vorsitzende der Dumeklemmer Bürgerstiftung. Das ist nicht ihr einziges Ehrenamt. Insgesamt sind es ein halbes Dutzend unbezahlte Aufgaben, die sie für die Bürger ihrer Stadt übernommen hat. Für die vitale Schnelldenkerin ist das offenbar kein Problem. "Es hat sich alles so entwickelt. Ein Ehrenamt brachte das nächste mit sich", sagt sie. Managen, Organisieren und Ideen entwickeln, die Menschen zugute kommen, sei ihre Leidenschaft. Dass sie dafür Wochenenden und Freizeit investiert, macht nichts. "Das ist für mich Hobby. Ich brauche die Auslastung, damit ich zufrieden bin", sagt Bisani.

Eins ihrer Lieblings-Projekte ist die Realisierung des Autorenwettbewerbs "Ratingen 2020 bis 2025" für die Dumeklemmer. 34 Autoren konnte ihr Verein motivieren, ihre Vision für die Heimatstadt der Zukunft einzusenden. "Das reichte vom Endzeit-Szenario à la Mad Max bis zur Rosamund-Pilcher-Version", erklärt Bisani mit Stolz. "Ein ganz toller Erfolg, der auch als gebundenes Buch erschienen ist und von dem einige Hundert Exemplare verkauft wurden." Für die Sieger des Wettbewerbs gab es gesponserte Preise.

Da es den Dumeklemmern und Bisani nicht nur um die Identifizierung der Menschen mit ihrer Heimatstadt, sondern auch um Bildung und Kultur für alle geht, stellte der Verein zwei Bücherboxen auf. Sie sind aus wetterbeständigem Cortenstahl und kosten 10 000 Euro pro Stück. "Besonders in Ratingen-West, wo viele Schulen sind, war mir das wichtig", sagt Bisani. "Die Boxen werden stark frequentiert, sind immer gut bestückt, und die Leser gehen sehr verantwortungsvoll mit den Büchern um."

Seit zwölf Jahren ist die Ratingerin mit Düsseldorfer Wurzeln auch Vorsitzende des Mentoring-Ratingen, eine Leseförderung in elf Schulen vor Ort. 120 Mentoren sorgen für die Einzelförderung von Schülern, die Probleme mit der deutschen Sprache und/oder mit dem Lesen haben. "Die Kinder kommen heute mit viel weniger Fähigkeiten in die Schule als früher", sagt Bisani. Die Idee dazu stammt von ihr. Außerdem ist die agile Managerin unter anderem Patientenfürsprecherin in der Klinik 360 Grad. Ehrenämter und Kontakte ermöglichen es ihr, vielen Menschen zu helfen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, die sozial schlechter gestellt sind. Um beispielsweise den "Garten der Sinne für den Seh- und Blindenverein" neu zu bepflanzen, konnte die engagierte Ratingerin den Verantwortlichen der Radiologie 360 Grad eine Spende entlocken. "Mit zwei Anrufen war das Thema durch", sagt sie. Wie sie das alle neben ihrer Arbeit als Projektmanagerin einer Landesgesellschaft schafft? "Ich sitze morgens schon um 6 Uhr beim Frühstück am Laptop und lese meine Mails", sagt sie. Müdigkeit kennt sie in einem Alter, in dem andere die Rente herbei sehnen, nicht.

Gibt es auch etwas, was ihr nicht so liegt? "Ja, die Arbeit mit den Menschen direkt, die von ihren Vereinen gefördert werden. Das überlasse ich lieber Talentierteren. Ich kann besser Ideen umsetzen und managen", gesteht sie.

"Dass alles so gut klappt, liegt aber unbedingt auch immer an den hervorragenden Vorständen in den Vereinen, mit denen ich zusammenarbeite", betont sie. "Allein könnte ich das natürlich nicht." Als sie nach zehn Jahren beruflich bedingter "Wanderschaft" 1991 mit zwei Söhnen nach Ratingen zurückkam, war das vor allem, "weil das hier ein guter Ort ist, Kinder großzuziehen", sagt sie. Schließlich wurde der dritte Sohn dort als echter Ratinger geboren. Heute sind die Söhne 28, 27 und 24 Jahre alt und leben nicht mehr zu Hause.

"Unsere Familie hat sich immer ehrenamtlich engagiert", sagt sie. Die Jungs waren schon früh Trainer der Kleinsten im Schwimmverein Lintorfer Delphine. "Das Schöne an ihrem Engagement, sagt sie, "ist die Resonanz. Es kommt so viel zurück, das zufrieden macht."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Ratingen: Managerin für die Schwachen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.