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Ratingen
Mehr als nur die gute Seele des Pfarrhauses

Ratingen: Mehr als nur die gute Seele des Pfarrhauses
Handfest und weitblickend: Andrea Schmidt wurde im Oberbergischen geboren - als zweites Kind von fünfen. FOTO: achim blazy
Ratingen. Andrea Schmidt ist Hauswirtschafterin bei Daniel Schilling, Pastor an St. Peter und Paul. Mit TV-Klischees hat ihr Alltag gar nichts zu tun. Von Gabriele Hannen

Bei Pfarrer Braun im TV hat man es ja schon gesehen: Seine Haushälterin Margot, mit rotem Haar und einem beachtlichen Fahrtalent gesegnet, war manches Mal eine Art bessere Hälfte. Nun musste sie auch noch Kriminalfälle abfedern - verschleiern, abwiegeln, stets zuarbeiten. Dafür durfte sie ein bisschen pampig sein und hinter seinem Rücken mit den Augen rollen. Bei Pastor Schilling in Ratingen ist das anders.

Der fährt selber Auto und kümmert sich auch nicht in erster Linie um Mord und Totschlag. Ihm und seiner Haushälterin schauen auch nicht acht Millionen Bundesdeutsche zu, sondern nur ein paar neugierige Ratinger hin und wieder. Und selbst für die gibt's nichts zu gucken.

Andrea Schmidt heißt die Frau, die sich nicht erst seit seinem Einsatz als Pastor an St. Peter und Paul vor gut einem Jahr um seinen Haushalt kümmert. Sie ist handfeste Organisationsperson und weitblickende Planerin, zuverlässige Haushaltsmanagerin und loyale Mitarbeitern. Sie ist eine Person, die es eigentlich gar nicht mehr gibt - zumindest nicht mehr häufig auf dem Arbeitsmarkt für entsprechende Kräfte. Sie ist im Oberbergischen geboren - als zweites Kind von fünfen -, und das ist ihre Heimat. Dort hat sie sich schon als Kind an den Herd gestellt, als Jugendliche Spaß an der Hausarbeit gehabt. Kein Wunder, dass sie nach der Schule eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolvierte, die sie dann als junge Frau gleich im eigenen Heim anwenden konnte. Mit 18 war sie schon verheiratet und kann inzwischen auf 32 glückliche Ehejahre zurückblicken. Ihre beiden Kinder sind erwachsen und auch schon unter der Haube.

Als Pastor Schilling in ihrer Gemeinde Praktikant war, lernte sie ihn bei dem kennen, was man "Kirchenarbeit" nennt. Sie brachte sich also für Gemeindedinge ein, er übte sich im neuen Job. Da traf es sich dann gut, dass Andrea Schmidt Teile seiner Hausarbeit übernahm, auch später, nach seiner Priesterweihe.

Was tut man, wenn einem ein Mensch hilft und das zur vollen Zufriedenheit macht? Man versucht ihn zu halten. Also fuhr die Hauswirtschafterin nach Kaarst, als Pastor Schilling dort wirkte, später nach Lintorf, von wo aus er seinen Job als Kreisjugendseelsorger versah. Dass sie irgendwann auch mal in Ratingen landen würde, hat sie sich nie träumen lassen - sie kannte die Stadt allerdings schon länger, und das durch private Freunde.

Und was tut sie nun im Haushalt des Pastors? "Alles, und das gern. Ich komme morgens schon mit Begeisterung her, wenngleich an vielen Tagen das Programm, das ich mir vorgenommen habe, total umgeworfen wird." Also putzt sie die Fenster mit den von ihr geschätzten Zaubertüchern dann, wenn's passt, wischt und schrubbt, kocht und macht Besorgungen, marschiert zu Bank und Post. Und: Sie bewirtschaftet hinter dem Pfarrhaus an der "Heiligen Meile", der Grütstraße zwischen St. Peter und Paul und Tafel-Laden, einen Blumen- wie Gemüsegarten.

Wenn bei Sitzungen und Besuchen Geschirr, Besteck, Gläser und Essbares auf dem Tisch stehen, hat sie es hingestellt, wenn Besucher begrüßt werden müssen, während andere noch vom Pastor verabschiedet werden, macht sie schon mal in der Küche oder im Flur die Honneurs. Sie kocht gesundheitlich wertvoll für ihren Chef. "Womit der sich dann noch das Leben versüßt, fällt in seine Verantwortung."

Andrea Schmidt hat, man glaubt es kaum, auch noch in manchem Kirchenjob die Finger; nicht nur Ehrenamtlerin Marlis Dadomo schätzt sie als aufrichtige, stets freundliche Frau, und Frank Bettermann, unter anderem in der Firmvorbereitung aktiv, arbeitet dort mit ihr zusammen und meint: "Ich mag sie wegen ihrer liebevollen, hilfsbereiten und authentischen Art". Keine Frage: Diese Frau geht gut organisiert durch ihr Leben und das auch noch "stur, wenn es sein muss" - so gesteht sie, leise kichernd.

Quelle: RP
 
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