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Ratingen
Menschen etwas Hoffnung schenken

Ratingen: Menschen etwas Hoffnung schenken
Leo Schleich (Zweiter Vorsitzender der Jonges), Ingrid Bauer und Paul Jakob (Ratinger Tafel) mit Jongs-Baas Georg Hoberg bei der Übergabe der Dumeklemmer-Plakette. Das Treffen bot Anlass für einen Ausblick auf die Arbeit der Tafel. FOTO: A. Blazy
Ratingen. Jonges-Baas Georg Hoberg zeichnete die Tafel und ihre Vorsitzende Ingrid Bauer mit der Dumeklemmer-Plakette aus. Von Karl Ritter

Es waren nachdenkliche Gesichter, die Martin Letschert nach seiner Laudatio auf die Ratinger Tafel und ihre vielen ehrenamtlichen Helfer im Trimborn-Saal hinterließ. Eindrucksvoll hatte der Pfarrer im Ruhestand gerade eben geschildert, wie sehr Himmel und Hölle, Ausgrenzung und Elend beieinander liegen können. Die Helfer der Tafel erleben das oft, mindestens dreimal wöchentlich, wenn bedürftige Menschen zu den Öffnungszeiten in das Ladenlokal an der Turmstraße kommen, um sich Obst, Gemüse und andere Lebensmittel zu kaufen, die sie sich sonst im Supermarkt nie leisten könnten.

Über 900 Tafeleinrichtungen gibt es mittlerweile im gesamten Land, die mehr als anderthalb Millionen aller Altersklassen an über 3000 Tafelläden und Ausgabestellen versorgen. "Hinter diesen harten Fakten verbergen sich Lebensschicksale", rüttelt Letschert in seiner bewegenden Laudatio auf. Viele der Tafel-Helfer im Saal nicken bei diesen Worten. Und sie kennen noch ein anderes Phänomen, die Scham, die es bei vielen ihrer Besucher auslöst, bedürftig zu sein - auch darauf geht Letschert ein: "Wir können davon ausgehen, dass die Dunkelziffer der bedürftigen Menschen hoch ist. Dass es also Bedürftigkeit gibt, die Menschen nicht offenbaren wollen oder können - sei es aus Scham, Mutlosigkeit oder anderen Gründen."

Bis zu 350 Menschen aus rund 30 Nationen versorgt die Ratinger Tafel wöchentlich - nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch oft mit einem netten Wort, einem hilfreichen Gespräch. Ein Drittel dieser Menschen sind Kinder. Gerade für sie legen sich die etwa 130 Ehrenamtler besonders ins Zeug; besteht doch die Möglichkeit, ihnen ein bisschen Hoffnung zu geben. Mit zwei Kühltransportern werden bis fünf Tonnen nicht mehr benötigte Lebensmittel aus an die 40 Geschäften abgeholt - pro Woche. Manchmal kommen auch Sonderlieferungen dazu wie 1600 Kilogramm Äpfel oder 2,5 Tonnen Zucker. Mittlerweile ist die Tafel schon fast ein mittelständisches Unternehmen. "Was Sie leisten, ist beeindruckend. Sie geben mit scheinbaren Kleinigkeiten Menschen ein bisschen Hoffnung. Das macht Sie zu einem würdigen Preisträger", hatte sich Jonges-Baas Georg Hoberg an Tafel-Chefin Ingrid Bauer gewandt, die die Dumeklemmer-Plakette stellvertretend für ihr Team entgegen nahm. Seit 1986 vergeben die Jonges diese Auszeichnung an Personen oder Institutionen, die sich besonders engagieren. Aber wohl selten in all den Jahren hat eine Feierstunde mit einer Laudatio so viele Fragezeichen in den Gesichtern der rund 200 Gäste hinterlassen: Wie kann so viel Bedürftigkeit mitten in einer Überfluss-Gesellschaft möglich sein?

Quelle: RP
 
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