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Weihnachts-Wissen (15)
Mette, Krippe, Wiegenlieder

Ratingen. Rituale und Bräuche sind aus der Adventszeit nicht wegzudenken. Experte Manfred Becker-Huberti erklärt, was es damit auf sich hat.

Nur zwei Nächte gibt es im Kirchenjahr, die durchwacht werden sollen. Der nächtliche Gottesdienst soll der Morgensonne begegnen, heißt es volkstümlich. Förmlich werden beide Nächte "nox sacratissima" (allerheiligste Nacht) genannt; als Heiliger Abend ist eine der beiden Nächte in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Die Nacht vor dem Ostersonntag hingegen hat keinen eigenen Namen.

Der Mette geht heute meist kein Krippenspiel mehr voran, weil dieses schon nachmittags vor der Kindermette stattfindet. In den Kirchen wurde eine Krippe aufgebaut, die das Weihnachtsevangelium dreidimensional veranschaulicht. Angefangen hat dies einmal anders.

Kaiserin Helena, die Mutter Kaiser Konstatins des Großen, hatte angeblich in Betlehem auch Teile der Krippe Jesu gefunden. Sie werden seit dem 3. Jahrhundert in der heutigen Kirche S. Mari Maggiore in Rom aufbewahrt. Zu Weihnachten war es in dieser Kirche üblich, neben den Altar eine Futterkrippe zu stellen, die an die Krippe Jesu erinnern sollte. Dieser Brauch wurde im Deutschen Reich übernommen, bis Nonnen auf eine Idee kamen. Bei ihrem Ordenseintritt wurde ihnen eine Puppe geschenkt, die den Namen "Trösterlein" bekam, die sie bis zu ihrem Ewigen Gelübde so zu bekleiden hatten, als sei dies Jesus Christus selbst. Und eine solche Puppe wurde in die Krippe gelegt. Zu den weihnachtlichen Wiegenliedern wurde die Krippe im Takt geschaukelt.

Später entstand die Idee, die Puppe nicht in der Krippe zu belassen, sondern auf den Arm zu nehmen. Von einem zum anderen wurde das Jesuskind weitergereicht. Man fühlt sich an das Kaschubische Weihnachtslied von Werner Bergengruen (1892-1964) erinnert, in dem es heißt: "Wärst du, Kindchen, im Kaschubenlande, / Wärst du, Kind-chen, doch bei uns geboren! / Sieh, du hättest nicht auf Heu gelegen, / Wärst auf Daunen weich gebettet worden." Die Verinnerlichung des Gehaltes der Weihnachtsmette wurde einmal sehr viel emotionaler weitergegeben. Vielleicht ist es das, was die Menschen heute wieder in der nächtlichen Weihnachtsmesse suchen.

Quelle: RP
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