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Heiligenhaus
Michael Krahl ist wieder mit dem Radl da

Heiligenhaus: Michael Krahl ist wieder mit dem Radl da
So oft wie möglich legt Michael Krahl die 23 Kilometer aus Duisburg-Mitte bis nach Heiligenhaus mit dem Fahrrad zurück. FOTO: michael nacke
Heiligenhaus. Der Fachbereichsleiter Straßenbau gilt in der Verwaltung als Vorbild: Er radelt zur Arbeit. Laut Stadt soll das künftig Schule machen. Von Stefan Mülders

Es gibt Tage, da könnte Michael Krahl seinen Arbeitstag in der Heiligenhauser Stadtverwaltung mit einer Dusche beginnen – wenn er denn wollte. "Ich habe aber immer Wechselkleidung hier und fahre auf dem Weg hierher so entspannt, dass ich gar nicht erst schwitze." 38 Mal ist der Duisburger in den ersten zehn Monaten schon mit dem Fahrrad zur Arbeit gekommen. Aus freien Stücken hat sich der Fachbereichsleiter Straßenbau entschieden, so oft wie möglich, abhängig von Terminplänen und Wetterbedingungen, mit seinem Rad die 23 Kilometer aus Duisburg-Mitte bis nach Heiligenhaus zurückzulegen.

"Mit dem Auto bin ich für 26 Kilometer eine gute halbe Stunde unterwegs", sagt der Mann, der sich von Amts wegen mit Verkehr und Strecken auskennt. "Mit dem Fahrrad benötige ich auf dem Hinweg rund eine Stunde, der Rekord auf dem Heimweg liegt bei 47 Minuten." Michael Krahl ist zum Vorbild geworden, obwohl bereits vor ihm Kollegen wie Jugendamtsleiter Thomas Langmesser täglich auf zwei Rädern anreisten. Vorbild nicht nur für andere Mitarbeiter, die näher dran wohnen und sich angespornt fühlten, dem Bespiel zu folgen. Auch für das ambitionierte Vorhaben der Stadt Heiligenhaus, fahrradfreundlich zu werden.

Die Verwaltung hat schon einige Schritte unternommen, um der eigenen Mitarbeiterschaft die Entscheidung zu erleichtern, für den Arbeitsweg das Fahrrad zu nehmen. Dazu gehören eine Dusche, Garagen in der Linderfeldstraße und zwei E-Bikes. Diese wurden vom RWE zur Verfügung gestellt und können über das interne Outlook-System gebucht werden. Auch Krahl nutzt diese Gelegenheit gerne, um Abstecher zu den Stadtwerken in der Abtskücher Straße oder zu den städtischen Baustellen zu machen. "Zurzeit kann ich die allerdings ganz gut fußläufig erreichen", lacht er angesichts der sich im direkten Rathausumfeld liegenden Ziele.

Im Stadtgebiet selbst wurden ebenfalls Anstrengungen unternommen, die zum Radfahren anregen sollen. Fahrradständer entlang der Hauptstraße, mehrere gemeinsame Geh- und Radwege und zahlreiche Tempo-30-Straßen und -Zonen sind hier zu nennen. Dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) wurden Räumlichkeiten in der ehemaligen Grundschule Unterilp zur Verfügung gestellt. Zudem führten die Verhandlungen mit einem Fahrradhändler dazu, dass dieser sich am Basildonplatz zu Jahresbeginn ansiedelte. Wohl wissend, dass ihm in den Folgemonaten erst mal eine Großbaustelle "vor die Nase gesetzt" wird.

Die Planungen hin zu einer fahrradfreundlichen Stadt gehen noch weiter: Für die Hauptstraße soll es neue Radwege-Lösungen geben und der Hefelmann-Park wird an einer Stelle die direkte Anbindung an den Panorama-Radweg bekommen. Den schreiben sich die Stadtoberen übrigens auch auf ihre eigenen Fahnen, schließlich war es Bürgermeister Dr. Jan Heinisch, der das Projekt kreisweit angestoßen hatte.

Das Komitee für Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), Fußgänger und Radfahrer ließ sich kürzlich von Hans-Georg Hellebrand, einem Mitarbeiter der Kreisverwaltung Düren, darüber informieren, wie dort das inzwischen ausgezeichnete Projekt Fahrradfreundlichkeit angegangen wurde. Ansätze wie "durch Vorbildfunktionen einen Schneeballeffekt erzeugen" sind nicht nur durch Michael Krahl und die Stadtverwaltung positiv angelaufen. "Wir wollen noch mehr einflussreiche Personen dazu bewegen, mit gutem Beispiel voran zu gehen und mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen", sagt Krahl. Projekte wie "Mit dem Rad zu Arbeit", die deutschlandweit ausgeschrieben werden, sind dazu gut geeignet. In einem bestimmten Zeitraum sollen die Teilnehmer täglich mit dem Zweirad zur Arbeit fahren. Die Mitarbeiter der Stadt hatten sich in diesem Jahr daran beteiligt. In vielen anderen Punkten aber stehen die Heiligenhauser noch ganz am Anfang. Von der Smartphone-App zur Reservierung der Dusche oder einem eigenen E-Bike-Laden ist man noch ein gutes Stück entfernt.

(RP/rl)
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