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An(ge)dacht
Mit den Bildern der Demenz umgehen

Ratingen. Demenz ist ein Thema unserer Zeit, in der der Altersschnitt deutlich steigt.

Demenz ist ein Thema, das Angehörige oft sehr hilflos macht, weil sie einen Menschen, der ihnen bis dahin so nahe war und den sie gut kannten, fremd und fremder werden lässt.

Demenz ist nicht erst eine Krankheit für das Alter, aber wenn sie kommt, bringt sie viele Erschwernisse - für die Betroffenen und noch mehr für Angehörige: ein Mensch, der so lange bekannt war, verändert sich, so dass man ihn kaum wieder erkennt.

Ohnmacht macht sich breit; man möchte nicht, ja man kann manchmal gar nicht darüber reden, möchte nicht bloß stellen oder sich bloß gestellt fühlen. Ohne Hilfestellung beginnt eine belastete und belastende Zeit, wenn man sich aufmacht, die Erkrankten zu begleiten.

Da ist die Kirche ein angemessener Ort, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Seit dem 15. Oktober ist die Waldkirche zu Linnep sonntags von 11.30 bis 16 Uhr geöffnet, um eine Ausstellung von Bildern zu zeigen, die Fotographen nach eigener Beschäftigung mit der Krankheit gemacht haben, um ihre Erfahrungen festzuhalten und weiterzugeben.

Nichts Spektakuläres ist da zu sehen, aber es sind Bilder und Symbole, die unter die Haut gehen: wenn die Schallplatte des Lebens einen Sprung bekommt oder das Wollknäuel der Erinnerungen sich verwirrt oder die Ordnung der Buchstaben nicht mehr gewährleistet scheint.

Was beabsichtigt die Ausstellung?

Es geht darum, auf die Krankheit und die Betroffenen hinzuweisen und ihnen damit Raum unter uns zu geben.

Es geht darum, wieder eine Sprache zu finden, die das Schweigen durchbricht, das durch Demenz entsteht.

Es geht darum, Erfahrungen weiterzugeben, die die Betroffenheit übersteigt. Und im Gespräch über das Gezeigte kann sich langsam ein Weg öffnen, mit Demenz umzugehen.

Schauen Sie einfach mal rein! Die Umgebung der Waldkirche ist einen Sonntagsspaziergang wert, zumal wenn man dort so anregende Bilder betrachten kann. Die Ausstellung ist noch bis zum Totensonntag zu sehen.

Gerhard Pulla, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Linnep

Quelle: RP
 
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