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Ratingen
Mit Gummibärchen fürs Leben lernen

Ratingen: Mit Gummibärchen fürs Leben lernen
Der Chemieunterricht bei Lehrerin Joana Feulner macht einfach Spaß. An der Friedrich-Ebert-Schule werden Gummibärchen hergestellt. Da kommen die Schülerinnen buchstäblich auf den Geschmack. FOTO: Achim Blazy
Ratingen. Joana Feulner unterrichtet Chemie an der Realschule. Bevorzugt mit praktischen Beispielen aus dem Alltag. Von Valeska von Dolega

"Chemie ist, wenn es knallt und stinkt. Und vor allem nichts gelingt", skandierten Heerscharen genervter Schüler aus eigener Erfahrung im naturwissenschaftlichen Labor. Anders als Sport oder Sprachen stehen Physik, Mathe & Co. nicht bei allen so richtig hoch im Kurs. Anders sieht das an der Friedrich-Ebert-Schule aus.

"Ich liebe mein Fach", schwärmt Joana Feulner. Und diese Euphorie überträgt sie auf ihre Schüler. Seit zehn Jahren unterrichtet die promovierte Chemikerin an der Philippstraße. Und zwar nicht nur im planmäßigen Unterricht. Sondern in Arbeitsgemeinschaften (AG).

"Das ist viel Arbeit. Aber ich möchte die jungen Leute für den Stoff interessieren." Denn "Grau, mein Freund, ist alle Theorie. Doch Grün des Lebens goldner Baum", wusste schon Goethes Faust. Also wird nicht mit trockenem Zeug wie Elementen des Periodensystems oder Formeln gelangweilt. "Damit alle Spaß haben, gibt es praktische Arbeit". Beispielsweise, wie aus Gelatine, Wasser, Zuckerlösung, Weinsäure und einer guten Portion Waldmeistersirup zum Anbeißen köstliche Gummibären werden. Für die roten und weißen Artgenossen stehen Himbeersirup beziehungsweise Blütenhonig bereit. "Wie es geht, ist im Rezept erklärt", teilt die Lehrerin entsprechende Zettel aus. Eine Schritt-für-Schrittanleitung "für Doofe. Aber wir sind ja nicht doof".

"Die AG ist voll cool", finden Marina, Anna, Leonie, Tiana und Brenda (alle 13). "Wir probieren immer neue Sachen aus, das ist nie langweilig." Dass es sich bei den wilden 13 um einen rein weiblichen Kreis handelt, ist kein Zufall. "Es lässt sich ohne Jungs einfach viel besser lernen", behaupten die Jugendlichen. "Eigentlich finde ich Naturwissenschaften nicht so toll. Aber hier schon", bilanziert Brenda ihre regelmäßige, freiwillige Teilnahme.

Gruppenweise werden also handgemachte Bärchen gefertigt, die ausschauen wie gemalt - nie aber mit den fabrikhergestellten Verwandten verwechselt werden könnten. Zumal, weil am Ende der Prozedur die Gummibärchen abgestaubt werden müssen. "Wir haben ja keine Schablone. Deshalb drücken wir das Original in eine Wanne aus Stärkemehl." Und da bleibt eben ein zarter, weißer Hauch zurück, der zum Schluss liebevoll mit einem Backpinsel entfernt wird.

Ein von Joana Feulner geschriebenes "Bitte nicht berühren!"-Schild soll die nächste AG davon abhalten, die niedlichen Bärchen zu vernaschen. Meist mit Erfolg. Was übrigens für weitere Eigenfabrikate wie das überaus beliebte Popcorn sowie funkelnde Wunderkerzen ebenso gilt wie für die nach eigener Rezeptur hergestellten Pflegecremes. Dass die Mädchen aus dem 8. Jahrgang durch die Bank von der Chemie-AG schwärmen, liegt an Joana Feulners "guter Art, Wissen zu vermitteln" und dass "immer was anderes los ist". Dazu zählen unter anderem Exkursionen zu Zielen wie dem Schokoladenmuseum in Köln.

Und während sich bei anderen Lehrern die Experimente nicht sehen lassen können, weil sie schlichtweg fad sind oder erst gar nicht funktionieren, machen Joana Feulner und ihre Schüler eine respektable Show daraus. Beim "Tag der offenen Tür" sind die selbst fabrizierten Lollies selbstverständlich der absolute Renner.

Und die Schulabgänger aus Klasse 10 präsentieren schon mal Elefantenzahncreme oder selbst hergestelltes Bier auf der Schulabschlussparty.

Quelle: RP
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