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Prozess in Düsseldorf
Mitarbeiter soll Kind in Ratinger Rathaus missbraucht haben

Prozess in Düsseldorf: Mitarbeiter soll Kind in Ratinger Rathaus missbraucht haben
Im Ratinger Rathaus, das inzwischen abgerissen wurde, sollen einige der Missbrauchsfälle passiert sein. FOTO: Blazy, Achim
Düsseldorf/Ratingen. Mit schwerwiegenden Vorwürfen sieht sich ein früherer Mitarbeiter der Stadt Ratingen vor dem Düsseldorfer Landgericht konfrontiert. Der 69-Jährige soll laut Anklage seine Nichte ab deren 13. Lebensjahr mehrfach sexuell missbraucht und vergewaltigt haben.

Die Fälle geschahen laut Staatsanwaltschaft  zwischen 2000 und 2009 und sollen sogar im Ratinger Bürgermeisterbüro, in der Kantine des Rathauses, in einem Asylbewerberheim und in einem Klinikzimmer, wo er sich als Patient aufhielt, geschehen sein. Zu Prozessbeginn wies der Rentner sämtliche Vorwürfe als frei erfunden zurück. Die Vorwürfe seiner Nichte (jetzt 28) werden allerdings durch ein Glaubwürdigkeitsgutachten gestützt.

Wie entdeckt man, ob ein Kind missbraucht wird? FOTO: AP

Weil der Vater des Kindes vor fast 17 Jahren schwer erkrankte und die Mutter massiv alkoholabhängig war, drohte dem damals 13-jährigen Mädchen Ende 1999 die Unterbringung in einer Pflegefamilie. Um das zu verhindern, habe sich der jetzt angeklagte Onkel mit seiner Frau bereit erklärt, das Kind in der Ehewohnung aufzunehmen. Für das Mädchen soll damit allerdings eine jahrelange Tortur begonnen haben. Der Onkel habe sie vielfach angeherrscht, gedemütigt, sogar angespuckt, habe dadurch ein Klima von Angst und Schrecken verbreitet. Das Kind habe er dann vorwiegend als Putz- und Pflegekraft eingesetzt und regelmäßig zu seinen Arbeitsstellen mitgenommen. Nur wenige Monate nach dem Einzug des Mädchens in die neue Wohnung soll es dann zu ersten Übergriffen des Onkels gekommen sein.

In mindestens 15 Fällen, die jetzt in der Anklage benannt sind, habe er sich an dem Kind angeblich vielfach vergangen. Darunter auch auf dem Schreibtischstuhl des Bürgermeisters, da er als damaliger Stadt-Mitarbeiter Schlüssel für diverse städtische Gebäude besaß. Sogar in Zeiten, in denen er als Patient in einer Klinik lag, soll er das Mädchen einbestellt und sich in der Kliniktoilette an dem Kind vergangen haben. Der 69-Jährige leugnet jeglichen Übergriff oder Missbrauch. So sei der Ratinger Bürgermeister damals viel zu oft bis in die Nacht im Büro gewesen, als dass eine Straftat in dessen Büro möglich gewesen wäre. Der Prozess, bei dem die Nichte gestern unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagte, wird fortgesetzt.

(wuk)
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